"Sicherheit erFahren"! 

Das Alleine, ist der Rat den ich jedem Anfänger und Wieder Einsteiger auf das Herz legen möchte. Lass dir genügend Zeit! Lass dich nicht durch geübtere Freunde und Zufalls Begegnungen der Strasse, in Fahrsituationen und Geschwindigkeiten drängen, die dich und dein Können überfordern. Lass dir auch genügend Zeit, dein Motorrad kennen zu lernen. Jedes Modell verkörpert meist eine individuelle Philosophie und drückt diese in ihrem Fahr- und Bedienungs Verhalten aus. Dabei gibt es durchaus, starke Unterschiede. Schon unterschiedliche Sitzposition, Nachlauf, Rahmen- und Lenkergeometrie eröffnet gefühlte Welten. Darum ist es nötig, sich zu erarbeiten, wie man zu einer harmonischen Einheit wird mit seiner Maschine. Ich denke da immer an Aussagen von Weltklasse Rennfahrern, wenn sie mit einem Evolutions Modell ihres erfolgreichen Renn Motorrades konfrontiert werden. Nicht nur die Fahrer, welche schon durch ihr besonderes Talent und ihr ständiges Training, mit ihrem Motorrad eine homogene Einheit bilden. Auch das Team an Ingenieuren und Mechanikern. Die Menschen, durch deren Erfahrung und Einfluss ein neues, besseres Motorrad konstruiert und gebaut wurde. Nur ein wenig verändert. Nur ein kleines Stück weiter entwickelt. Und dann, nach den ersten Test's formulieren sie zaghaft Sätze wie: "Wir müssen hart arbeiten und uns die Zeit nehmen die wir brauchen, um das neue Motorrad zu verstehen!" Geben wir uns weniger Talentierten oder Anfängern, um so mehr die nötige Zeit, zu verstehen, welch Riesenschritt es sein muss, sich an ein fremdes Motorrad zu gewöhnen. Es ist keine Schande von schnelleren Fahrern überholt zu werden. Aber es ist eine Katastrophe, verletzt neben den Trümmern seines Motorrades zu liegen! Wie schnell, wie oft das so endet, erlebe ich während der Saison bei uns in den Alpen, beinahe täglich. Meine Meinung dazu: "Einen guten Motorradfahrer erkennst du daran, dass von ihm keine Gefahr aus geht. Nicht für ihn und nicht für Andere!"

Ich rate dir anfangs auch zu einem Mentor. Wenn das möglich ist, bitte einen erfahrenen, nüchternen Fahrer, dir ein wenig den Weg zu weisen. Dir in Geschwindigkeitsbereiche voraus zu fahren, die dich und dein Motorrad nicht überfordern. Es ist so wertvoll, auf sichere Weise zu erkennen was denn möglich ist. Zu sehen, was dein Reifen, dein Rahmen, dein Fahrwerk so kann. Dann wirst du bald erleben, dass dein Moped deutlich mehr drauf hat, als du dir gedacht hast. Dann bekommst du bald die nötige Sicherheit. Denn überängstliches Herumtuckeln führt dich auch nicht zum Ziel. Weder in Punkto Emotionen noch bei der Sicherheit. Ja, es gilt Vieles zu lernen. 

Ich denke dabei gerne an ein Ereignis zurück welches sich in der frühen Zeit meines Wieder Einstieges, unauslöschlich in meinen Speicher gebrannt hat. Immer wieder wiederholte ich mein lebenswichtiges Motorrad Mantra: "Bremse nicht in der Kurve, drücke das Moped tiefer und noch tiefer in die Schräglage und kämpfe um jeden Meter auf der Strasse". Immer und immer wieder betete ich mir das vor. Zu hause, in der Garage und natürlich, beim Fahren. Einem Schi Rennfahrer gleich, der im Geiste die Piste runter sticht und in tiefer Konzentration jede Kurve bekämpft in seinem Kopf. Nur um bestens vorbereitet zu sein wenn er dann wirklich aus dem Starthaus stürmt. So vorbereitet wollte auch ich sein, wenn ich dann in eine überraschende Situation komme. Unvorsichtiger Gegenverkehr auf meiner Kurvenseite. Eine schlecht eingesehene Kehre etwas zu schnell an gefahren. Eine Kurve deren Radius "zu macht". Immer enger wird und mich Anfänger schnell in emotionale Not bringt. Dabei heißt es nüchtern und automatisch reagieren. Keine Panik, nur ja nicht bremsen! Denn, durch das Massegesetzt stellen die Längskräfte dann das Motorrad auf. Wollen es aus der Schräglage heben und somit ist ein Kurvenfahren beinahe unmöglich. 

Du fährst geradeaus von der Strasse! Oder in den Gegenverkehr! Die Intensität dieses Effektes ist nach Bauart des Motorrades und Reifenwahl zwar unterschiedlich stark ausgeprägt, aber physikalisches Gesetz. Dieser Fehler führt zu den meisten, leider auch tödlichen Unfällen jeder Biker Saison! 

In gleich dramatischer Weise wie das Wegrutschen der überbremsten Räder, ohne vorhandenes ABS! Trotz der lauthals getröteten Meinung vieler Testosteron schwangerer, selbst ernannter "Besser als ABS Bremser". Die schönste und strahlendste Lebensretter Medaille, gebührt dem ABS! Punkt, aus!

 

Bisher gewann ich jede Wette! Billiger kommst du zu keinem Gratis Getränk! Niemand konnte auf normaler Strasse, ohne ABS, schneller Stehen bleiben als ich, mit meinem ABS - Anker. Dabei rede ich jetzt nicht von der Rennstrecke. Super Grip, warmer, sauberer Asphalt. Ich rede von der normalen Strasse. Regen, widrige Strassenbedingungen. Eine schlecht Eingesehene Kurve. Dahinter ein Hindernis. Ein Verkehrsteilnehmer welcher mir überraschend den Vorrang raubt. Der Vorteil dieser Sicherheitstechnik ist ganz klar. Ich kann jederzeit, voll in die Eisen gehen. Volle Kraft auf Hand- und Fußbremse! Welch ein Vorteil! Kein Zögern. Keinen Zentimeter Distanz zum Hindernis verschenken. Nicht, immer wieder die Bremse auf machen müssen, wenn das Rad zu Rutschen beginnt. In der Zeit, als ich jung und unbedarft, Motorradfahren gelernt hatte, gab es kein ABS. Tatsächlich waren sogar Scheibenbremsen noch viel bestaunte Technik aus dem Rennsport. Ich bin auch damit Groß geworden und jetzt, als begeisterter Tourenfahrer, sage ich gerne und völlig überzeugt Jedem: "Niemals würde ich mir heute ein Motorrad ohne ABS kaufen!" 

Kurven ABS? Ja, gibt es. Meine Meinung dazu ist noch nicht ganz ausgereift, das gebe ich ehrlich zu. Ich behaupte noch immer, die sicherste Fahrt durch die Kurve ist die mit gleich bleibender Geschwindigkeit. Das sichert ruhiges und stabiles Fahrwerk. Das zu wissen und im Idealfall an zu wenden, ist schon eine sehr gute Basis. Ich weiß ja, dass man mit dosiertem Bremsen in der Kurve, sein Motorrad stabilisieren kann. Es aus den Federn heben kann um den Dämpfern größeren Weg zu bieten. Allerdings muss sich dieses Können erst erarbeitet werden. Dieses dafür benötigte Gefühl auf bauen. Mittels gekonnter Körper Verlagerung dem Aufstelleffekt des Mopeds entgegen zu wirken. Das traue ich keinem Anfänger oder Wenig Fahrer zu. 

 

Also, mental bestens vorbereitet und in Vorfreude auf einen tollen Tag der uns über Pass Thurn, Felber Tauern und Groß Glockner führen sollte, bestiegen wir unsere Motorräder. Eva fuhr hinter mir und als wir Mittersil verlassend, die ersten Kurven der Tauern erwarteten, blickte ich im Schatten einer Galerie in den Spiegel um zu sehen ob Eva Anschluss hält. Dann ein Blick auf das Navi und danach, Überraschung! Ich befand mich bereits im ersten Viertel einer Linkskurve! 

Mein erster Gedanke: "Das geht sich wohl nicht mehr aus!" Der Zweite: "Nicht bremsen, Moped rein drücken, nicht Aufgeben, tiefer drücken, kämpfe um jeden Meter auf der Strasse!" Mein Mantra half und meine TDM zeigte was sie wirklich konnte. Ich war verblüfft! In dieser noch nie gefahrenen Schräglage schleifte meine linke Fußraste laut über den Asphalt. Dennoch konnte ich sogar noch die gefahrene Linie variieren. Niemals hatte ich das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren und meisterte die Kurve sicher und souverän. Das war eine sehr wichtige Lehrstunde. Unfassbar was so ein gutes Motorrad kann. Welche Sicherheit ein guter Reifen schafft. Wenn man nur richtig damit um geht. Was lernte ich noch? Schau auf die Strasse! Lass dich nicht zu lange Ablenken! 

 

Kurven Fahren ist natürlich das wichtigste, weil emotionalste Thema. Generell unterscheidet man dabei das "In die Kurve legen" und das, "Motorrad in die Kurve drücken". Bei beiden Techniken geht der Spaß mit dem Einleiten der Kurvenfahrt los. Gewicht verlagern, lenken ... ? Immer wieder ernten Instruktoren ungläubige Blicke wenn sie fragen : "In welche Richtung lenkst du, wenn du eine Rechtskurve einleiten willst". Die häufig erhaltene Antwort, "Natürlich nach Rechts!", ist dabei aber leider die Falsche! Das will dann allerdings kaum jemand glauben. Tatsächlich sprechen wir vom richtig gesetzten Lenkimpuls. Am einfachsten und schnellsten bereitest du eine Kurvenfahrt vor, wenn du den Lenker mit der Kurven inneren Hand leicht in die Gegenrichtung drückst. 

Also bei einer Rechtskurve, nach Links lenkst. Was passiert dabei? Das Rad will nach Links, das Trägheitsgesetz will das Motorrad allerdings weiter geradeaus fahren lassen. Das drückt dein Bike  aus der Balance und es kippt nach Rechts. Und in Sekundenschnelle befindest du dich in der benötigten Schräglage um deine Rechtskurve zu genießen. 

Beim "In die Kurve legen" bleibst du dabei mit deinem Oberkörper im gleichen Winkel zur Strasse, wie dein Bike. Alleine der Kopf neigt sich so weit dagegen, knickt ab, dass der gesehene Horizont wieder gerade erscheint. Du also gerade nach vorne schaust. 

Beim "Motorrad in die Kurve drücken", bleibt dein Körper senkrecht zur Strasse und hält das Motorrad in der für das Durchfahren der Kurve nötigen Schräglage. Das bildet, von Vorne gesehen, auf Höhe deiner Hüfte, einen Knick zwischen dir und dem Moped. Diese Technik eignet sich sehr gut auf engen, langsam gefahrenen Serpentinen, engen Wendungen und in Kurven auf losem Untergrund. In der Kurve halte ich das Tempo konstant um so viel Ruhe und Stabilität als möglich, im Fahrzeug zu bewaren. Das Fahrwerk verarbeitet unregelmäßige Strassenbedingungen wie Rumpelpisten und Fahrbahnschäden unter dieser Voraussetzung am besten und selbstständig. 

Wenn ich dann den Kurven Scheitelpunkt erreicht habe, beschleunige ich gefühlvoll. Dadurch hebt die Physik das Moped wieder aus der Schräglage in die senkrechte Position und ich kann geradeaus weiter Fahren. 

Enorm wichtig beim Kurvenfahren ist allerdings die richtige Blicktechnik! Fixiere schon vor der Kurve den Punkt, den du nach der Kurve überfahren willst. Vergiss Alles was vor deinem Vorderrad ist, denn dein Unterbewusstsein hat das längst schon gesehen und abgespeichert. Es reagiert selbstständig darauf. Für dich ist nur der Punkt wichtig, der dich aus der Kurve bringt. Halte deinen Blick immer darauf und du wirst automatisch eine schöne, runde Kurve fahren. Nicht wie Anfänger, welche immer wieder vor das Vorderrad auf die Strasse schauen und sich dann in der Kurve neu orientieren müssen. Dadurch wird die eine Kurve zu mehreren, mit unterschiedlichen Radien. Eckig und unsicher wird die Kurvenfahrt. Ein Blick zum gewünschten Kurven Ausgang, richtigen Lenkimpuls setzen, immer noch den Blick zum definierten Punkt, im Scheitel gefühlvoll Beschleunigen. Das ist das Rezept für sichere, flüssige Kurvenfahrt. 

Ähnlich macht man das in engen Kehren. Nur mit richtig angepasster Geschwindigkeit und mit dem, in die Kurve gedückten Moped. Idealer Weise kann ich rechtzeitig über die Kurven innere Schulter schauen, ob ich mit Gegenverkehr zu rechnen habe. Danach fahre ich die Kehre im selben "Blicktechnik Modus" wie eine normale Kurve. Keine Angst, Alles nur eine Frage des geeigneten Tempo's. Das ist allerdings auf technisch, besonders anspruchsvollen Passstrassen wie beispielsweise dem Stilfserjoch oder dem Umbrailpass nicht ganz so einfach möglich. 

Zu eng, zu steil sind manche Kehren in den Berg gebaut. Du siehst dort nicht rauf. Umso wichtiger ist es dann, sein Moped so zu beherrschen, dass man sich nicht im Kurven Ausgang, auf der Gegenspur wiederfindet. 

Hier gelten die selben Regeln wie im wichtigen Langsam Fahrbereich. Ich behaupte ja, dass man beim langsamen Fahren erst den wirklich guten Biker erkennen kann. Die ruhige Körperhaltung. Der sichere Richtungswechsel auf einer einzigen Fahrspur. Auch mit Beifahrer am Soziussitz. Die Füße ruhig auf den Fußrasten. Kein instabiles Gezapple im Schritttempo. Kein nervöses "Tretteln" der Füße am Boden. 

Das will erst mal gelernt und geübt werden. Touring Clubs bieten ständig Kurse die ich auch als Vortgeschrittener nutze.  Am besten allerdings, haben mir das die Männer der Verkehrsabteilung der POLIZEI gezeigt. Jährlich bieten verschiedene Österreichische Polizisten zur Steigerung der Verkehrssicherheit, Gratis Fahrtrainings an. Dort bemerkt man dann sehr schnell seine Mängel. Umdrehen auf engen Spuren. Langsam Fahrbereich. Wenige beherrschen das besser als Polizei - Motorradfahrer. Zum Beispiel für Schritttempo Konvois zur Begleitung von Diplomatenfahrzeugen.  Wieder merkt man sehr schnell, wie wichtig die richtige Blicktechnik ist. Du kannst nur sehr schwer, ruhig in Schritttempo fahren, wenn du vor dein Vorderrad schaust. Such dir immer einen Punkt der weiter entfernt, als Visier Linie geeignet ist und fahr darauf zu. 

Halte in kurzen, extrem langsam gefahrenen Streckenabschnitten und Kehren, die Motordrehzahl mit schleifender Kupplung im Bereich von etwa 2000 U/Min. 

Jetzt kannst du mittels Hinterrad Bremse, das Motorrad stabilisieren und die Geschwindigkeit dosieren. Das funktioniert auch sehr gut, wenn du langsam auf einer Fahrspur Umdrehen willst ohne dabei auf die Gegenspur zu gelangen oder mehrmals Reversieren zu müssen. Denn dieses ist oft wegen der Steilheit der Strasse und dem Gewicht des Moped's nicht möglich. Pylonen bekommt man günstig im Bauhaus und können sehr behilflich sein, beim Üben auf Parkplätzen. 

Natürlich schaffen das auch, auf den Boden geworfene Kleidungsstücke. Wichtig ist auch dabei, immer dort hin schauen wohin du nach der Wende Fahren willst. Niemals vor das Vorderrad. 

 

Dann gibt es noch weitere Schwierigkeiten zu meistern. 

Unterschiedlichste Strassen Beschaffenheiten vordern deine Konzentration und dein Können.

 

Reden wir über Sand- und Schotterpisten: Wichtig dabei ist es, den Lenker nicht krampfhaft fest zu halten. Heißt ja auch Lenker und nicht Halter! Das Moped walkt und rutscht dabei oft scheinbar labil dahin, stabilisiert sich aber immer wieder selbst. Die Hände führen dabei den Lenker nur sanft und geben mit gefühlvollen Lenkimpulsen die Richtung vor. Das passt bei überladenen Rollern und normalen Motorrädern in gleichem Maße wie bei Groß Enduros. Dabei bremse ich beim Bergab Fahren, um nicht Richtung und Stabilität zu verlieren, fast ausschließlich mit der Hinterradbremse und lasse schon gar keine zu hohe Geschwindigkeit zu. So vermeide ich, mit einer zu harten Bremsung, die glatten Räder im Schotter oder Sand zu vergraben. Das passt bei handelsüblichen Strassenreifen, wie auch bei Mischreifen. Diese werden häufig auf Reise Enduro Maschinen verwendet. Stollenreifen bieten deutlich mehr Grip auf weichem Untergrund, sind dafür aber auf nassem und trockenem Asphalt wegen ihres größerem Anteils Negativ Profil, etwas benachteiligt. Der Vorteil auf loserem Untergrund auf einer  Reise Enduro zu sitzen ist der, leicht Aufstehen zu können. Im Idealfall steht man dann auf den Fußrasten ganz gerade und ausbalanciert. Die Hände locker am Lenker. Der Körper kann so, verspannungsfrei das Gewicht, nach Bedarf schnell und mühelos in jede Richtung verlagern. Dieses gelingt bei Naked- oder Sportmotorrädern nicht so gut. Diese geben konstruktionsbedingt schon im Sitzen eine Vorderrad orientierte Körperhaltung vor. Steht man dann auf und verliert den Kniekontakt zum Tank, zwingt man den Körper aus der Balance und die ganze Fuhre wird instabil. 

 

Im Regen fahre ich - auf intakten Strassen - nicht anders als im Trockenen. Moderne, frische Reifen können schon konstruktionsbedingt so gut mit Wasser um gehen, dass bei Einhaltung der gesetzlich vorgeschriebenen Geschwindigkeiten, keine besondere Gefahr zu erwarten ist. Eher noch, durch die eingeschränkte Sicht. Aquaplaning gibt es bei Motorrädern normalerweise nicht. Die auch nach Aussen hin runden Laufflächen, verdrängen Wasser deutlich besser als die flachen Auto Reifen. Zu bedenken gilt dabei nur, der kühlere Asphalt und die dadurch schlechtere Verzahnung des Gummis mit dem Strassen Belag. Das spielt bei normalem Tempo allerdings keine große Rolle. Ausnahmen bilden allerdings nasse Kanaldeckel, rutschige Strassen Bemalungen wie Zebra Streifen oder auch Pflasterstein Strassen und Holz Brücken. 

Sehr gefühlvoll aber nicht ängstlich, verhalte ich mich bei leichtem Hagel und Rollsplit. Deutlich langsamer als im Regen, vertraue ich meinem Fahrwerk und meinen guten Reifen! Wie immer, Sicherheitsabstand und Übersicht! Kein nervöses Bremsen oder hektisches Lenken. 

 

Noch ein wichtiges Thema sind Bitumen- und Schotter Ausbesserungen auf den Strassen. In südlichen und östlichen Ländern werden diese günstigen Maßnahmen gerne gesetzt um einem völligen, strassenbaulichen Verfall zu Entgegnen. Besonders auf den kleinen Gemeindestrassen der finanzschwachen Kommunen wirst du diese Stellen treffen. Im Osten verzichten sie meist sogar darauf, den frisch auf den Fließ Asphalt aufgebrachten Rollsplitt ein zu Walzen. Auch diese Stellen solltest du einfach ignorieren. Das Walken und Rutschen unter dir, einfach deinem Fahrwerk überlassen. Wenn ein Reifen ein Wenig rutscht. Das ganze Moped kurz versetzt. Ignoriere es und fahr deine Kurve so zu Ende, wie du sie geplant hast. Blick auf deinen Ziel-Punkt am Kurven Ausgang. Alles was du in diesem Moment machst, wird dein Fahrwerk in größeren Stress versetzen. Das Machtgefüge zwischen Längs- und Seitenführungs Kräften in den Kollaps treiben. 

Normalerweise fängt und stabilisiert sich dein Motorrad selbstständig. Vorausgesetzt, dir bleibt genügend Platz auf der Strasse. Also, vorausschauend Fahren und die sichere Linien Wahl treffen!

Das bedeutet, Ausgangs der Kurve, immer Rechts auf deiner Fahrspur. Denn auch dein Entgegen Kommender könnte die gleichen Probleme bekommen. Dann trefft ihr euch in der Strassenmitte zum schmerzhaften Erfahrungsaustausch. Im Notfall, bremse in der Mitte deiner Fahrspur,  hart und gerade in die Kurve rein. Danach, langsamer aber enger, einen Hacken fahren und am rechten Fahrstreifenrand wieder verlassen. 

Das richtige Fahren, das erkennen der richtigen Linie. Wo will ich die Kurve verlassen ( Zielpunkt für Blicktechnik ). Entscheide ob du die Geschwindigkeit reduzieren musst. Wo bremse ich in Geradeaus Fahrt in die Kurve rein, wo lenke ich ein, wo verlasse ich sicher die Kurve, kann auch mental geübt werden und bringt dann, in der unerwarteten Situation, etwas Gelassenheit und Sicherheit. 

Noch etwas finde ich im Zusammenhang mit dem Thema Fahrtechnik sehr wichtig. Ich rede über Pausen! Ruhezeiten! Meine Frau Eva und ich sind, wenn wir mal auf den Moped's sitzen, ziemliche Eisenärsche. Die ersten dreihundert Kilometer einer Tagestour würden wir dann am liebsten durch fahren. Ohne Pause. Natürlich weiß ich, dass dieses aber nicht die Regel ist. Eher die Ausnahme. Unserem Training und der Leidenschaft geschuldet. Fahren, Fahren, Fahren! Normalerweise würde ich etwa jede Stunde oder alle neunzig Minuten, eine kleine Pause empfehlen. So halte ich das auch wenn ich eine Gruppe guide. Erstens können sich die armen Raucher wieder mit Nikotin voll pumpen und zweitens die Füße vertreten werden. Wer Lust dazu hat, kann auch Entspannungsübungen machen um seinen Körper durchblutet und beweglich zu halten. Da geniere ich mich nicht, auf dem Parkplatz den Hampelmann zu machen. Auch für amüsierte Zuschauer. 

Besonders Anfänger brauchen diese Zeit. Sie sitzen meist nicht so entspannt auf dem Motorrad wie alte Hasen. Einsteiger setzen sich dabei auch noch oft einem "Gruppenzwang" aus. Sie wollen, wenn sie schon mal mit erfahrenen Bikern auf Tour sind, niemanden aufhalten, stören, auf die Nerven gehen. Dann fahren sie oft zu schnelle und zu lange Etappen und das fordert sie deutlich mehr an als den "Profi". Also ist es die Aufgabe des Guides, das zu erkennen und für ausreichend Pausen zu sorgen. Das tut der Sicherheit der ganzen Gruppe gut. Dabei nutze ich immer die Zeit, ein Wenig zu Trinken und ein paar trockene Kekse zu Essen. Oder von einem Müsliriegel ab zu beißen. Nötigen Proviant führe ich immer griffbereit im Tankrucksack oder Seitenkoffer mit. So belaste ich meinen Körper nicht mit zu großen Portionen, wirke aber konstant dem Versorgungsmangel entgegen. Denn, wenn du erstmal Hunger und Durst spürst, ist dein Körper schon geschwächt. Ein weiterer Vorteil dabei ist, dass du dann nicht schon wie ein ausgehungerter Wolf am Mittagstisch Platz nimmst und der armen Kellnerin ständig in den Arm beißen willst. Das nervt die meistens. 

Den Start, nach einem ausgiebigen Mahl, einer längeren Pause oder am Morgen, solltest du etwas langsamer an gehen. Nicht gleich im Renn Modus in die nächste Kurvenkombination stechen. Erst das Hirn wieder auf ein anderes Tempo kalibrieren. 

 

Gibt es saisonbedingte Überlegungen bezüglich unseres Hobby's? Natürlich gibt es die!

 

FRÜHLING: 

 

Ich bereite mich auf die junge Saison, unter Anderem, gerne mit dem konzentrierten Beobachten von YouTube Videos vor. Motorradunfälle studieren. Was haben die Kollegen da falsch gemacht?  Warum ist es zu dem Unfall gekommen? In welche Falle wäre ich ebenfalls getappt? Was lerne ich daraus? Was hätte ich da oder dort besser und anders, gemacht? 

Weiters muss ich den anderen Verkehrsteilnehmern auch die Chance geben, sich darauf ein zu stellen, dass nach einem langen Winter sich nun wieder die Motorradfahrer mit ihnen die Strassen teilen. Diese sind durch ihre schmale Silhouette ohnehin schwer genug zu erkennen. Autofahrer müssen sich erst wieder an uns gewöhnen.  

Der frühe Morgen bietet im Frühling ebenfalls genügend Gefahrenpotential. Kalter Asphalt, Rauhreif in schattigen Waldabschnitten. Rollsplit, Streckensperrungen wegen schneebedeckter Pässe oder Ausbesserungs Arbeiten nach strengem Winter. Zudem merken wir schnell, dass unser Gefühl für das Bike noch nicht so ausgeprägt ist wie am Ende der vorigen Saison. Unsere Reaktion ist noch träger und unsere Sinne noch etwas unsensibel. Dazu noch die niedrigeren Temperaturen. Dickere Bekleidung, wärmere, steifere Handschuhe. Winterspeck der das Motorradgewand über den Winter schrumpfen ließ. Wärmere Unterzieh Kleidung. Das Alles bremst deine Bewegungsfreiheit und dein Gefühl ein wenig. Stell dich darauf ein! 

 

 

SOMMER:  

 

Hitze und Durst können uns sehr schnell in Bedrängnis bringen. Ein vollgeschwitztes Shirt sollte schon alle Alarmglocken läuten lassen. Denn, diese Flüssigkeit fehlt deinem Kreislaufsystem und du kannst schnell dehydriert und schwach werden. Gefühls- und Konzentrationsverlust sind die Folgen. Diese stellen sich meist unbemerkt und schleichend ein. Das kannst du dir am Bike nicht leisten. Trinke immer ausreichend, auch wenn du im Moment keinen Durst verspürst. Denn, wenn dir die "Zunge am Gaumen klebt" ist es schon längst zu spät. Halte dafür immer klares Wasser bereit. Idealerweise in Licht- und Sturzgeschützter Glasflasche oder Aluminium Flasche. Von Plastikgefäßen rate ich ab. Der Weichmacher wird bei den hohen Temperaturen raus gewaschen und den trinkst du dann mit. Das schmeckt man auch und es ist nicht gesund. Suche immer schattige Bereiche für die Pause auf. Da ist ein Wald Parkplatz meist besser als eine überfüllte Terrasse mit Sonnen Schirmen, unter denen sich die Hitze staut. 

Eine ernst zu nehmende Gefahr sind im Sommer auch die teils extremen Wetterstürze. Wie oft ist mir das schon passiert. Besonders in den Bergen. Du fährst bei über dreißig Grad im Schatten und nach zwanzig Minuten, ein Wolkenbruch, Temperatursturz, Sturm, Graupelschauer, Hagel ...

Das geht so schnell und überraschend! Wenn du dann nicht vorbereitet bist, kommst du bald in gefährliche Schwierigkeiten. Warme Kleidung, warme, wasserdichte Handschuhe. Gepflegtes, wasserdichtes Schuhwerk. Imprägnierte Motorradausrüstung. Wenn möglich, Griffheizung. Das gibt Sicherheit. Wird es dann wieder heiß, brauchst du Funktionsbekleidung welche Feuchtigkeit und Temperatur vom Körper weg leitet. Luftige aber dennoch sichere Motorradhandschuhe. 

 

Aber auch von anderen Verkehrsteilnehmern gehen in der Hochsaison Gefahren aus! Ungeübte Biker, welche nur bei bestem Wetter, Urlaubs und Sonntags, ihr fein geputztes Moped aus der Garage schieben. Da muss dann Alles passen! Das sind die Mopeds welche du als Schnäppchen auf diversen Plattformen findest. 1200ccm, 5 jahre alt, 4.000 km. auf der Uhr. Nur zwei mal im Stand, leicht um gefallen. Nix passiert! 

Und dann, raus auf die Piste. Voller Verkehr, enge Kehren, zu schnell in die Kurve, den Anschluss an die Gruppe nicht verlieren wollen. Das überfordert manchen Fahrer bald und die Krise ist vor programmiert. Das Selbe gilt natürlich für Mietwagen Touristen an beliebten Reisezielen. Gleichfalls Wohn- und Reisemobile welche durch ungeübte Mieter oder andere Sommerzeit Kapitäne durch die Gegend geschleppt werden. Da wird manche Kurve zu eng, jede Strasse zu schmal. Unbeschreiblich, was ich da schon Alles erlebt habe! Was mir da schon mit dunkelrotem Kopf und großen Augen, auf meiner Seite entgegen gekommen ist! Ein Mal musste ich tatsächlich am Manghen Pass, selbst in den Graben fahren. Der entgegenkommende Porsche SUV Fahrer hätte sonst unsanft nach geholfen. Nix passiert! Als ich dann wieder geborgen war, kam mir eine Gruppe Groß Enduro Fahrer entgegen. So überfordert mit diesem Pass, dass mir Einer mit weit aufgerissenen Augen um Verzeihung bittend, mit seinem Arm entgegen wachtelte. 

In Schlangenlinie. Mir wäre lieber gewesen er hätte seinen Lenker stabilisiert. Oder noch besser, er wäre unten auf der breiteren Bundesstrasse geblieben. Solche Situationen erlebe ich in den Österreichischen und Italienischen Alpen immer wieder. 

 

Dazu noch Fahrbahn Ausbesserungen. Wegen der Temperaturen mit weichem Teer und losem Schotter oder Fahrwerk irritierendem Bitumen. Damit einhergehend, Rutsch- und Schlingerpartien. Ja, der Sommer zeigt seine besonderen Tücken. 

Ein neuartiges und oft schwer einschätzbares Erlebnis sind die "E-Bike, Power Senjoren" die man plötzlich, in lustigem Gespräch vertieft, zu Dritt nebeneinander auf Passstrassen findet die früher echten Rad-Sportlern vorbehalten blieben. Leute die durch Fitness und Erfahrung so hoch rauf radeln können, wissen meist, wie man sich verhält um nicht unter ein Motorrad zu gelangen. 

E-Bikern wird es dank der inzwischen sehr guten Technik, schon zu leicht gemacht. Sie verhalten sich oft auf gefährlichen Passstrassen so, wie auf dem ALDI Parkplatz oder dem Pensionisten Rad Ausflug zum Stamm Biergarten. 

 

HERBST:

 

Herbstzeit bedeutet meist ein Wenig Entspannung. Die meisten Urlauber sind wieder brav an ihren Arbeitsplätzen und es wird wieder ruhiger auf den Strassen. Die Leute, welche jetzt raus Fahren sind meist geübte, gute Fahrer. Viele von ihnen haben in dieser Saison schon tausende Kilometer gefahren und beherrschen ihr Moped gut und sicher. Die Reflexe sind trainiert und Genick Muskel und Arsch schmerzen schon lange nicht mehr. Das ist wohl die feinste Zeit zum Touren. Auch der Sommer hat seine jugendliche Kraft verloren und die harten Gewitter und die brutale Hitze bleiben meist aus. Die Temperaturen milder und über den Tag verteilt, konstanter. Dann, gegen Ende der Saison aber, zeigt auch der Herbst sein anderes Gesicht. Tretminen Alarm! 

Jedes Jahr werden zur Herbstzeit die Ortsdurchfahrten von den armen, geschmückten Kühen geschmückt. Zumindest bei uns in den Bergen ist das so. Mittels gleichmäßig verteilter Kack Fladen. Spätestens jetzt bist du froh, auch fleißig diese Langsam Fahrübungen gemacht zu haben. Slalom Parcours ist angesagt. Und stundenlanges Warten. Jedes Dorf muss seine armen Kühe beim gewinnträchtigen Almabtrieb stressen. Das muss so sein, denn immerhin warten ja die Touristen mit ihren lockeren Geldbeuteln schon Bus weise auf das feucht fröhliche Theater. Es halten sich sogar hartnäckige Gerüchte, denen zu Folge manche Bauernschaften ihre Kühe mehrmals vorne in den Stall rein und hinten wieder raus, durch den Ort treiben. Nur um eine größere Herde vor zu täuschen. Noch günstiger wäre wohl eine Leasing Herde, welche man mittels Tiefladern von Veranstaltung zu Veranstaltung karren könnte. Diese dann an einem versteckten Plätzchen ausladen und ...

Na ja, Traditionspflege eben. Bringt ja auch Förder Gelder. Neben diesen Natur Pizze, gibt es  auch andere Gefahren die typisch sind, für den Herbst. Tief stehende, blendende Sonne etwa stört nicht nur uns sondern, je nach Fahrtrichtung, auch den entgegenkommenden Fahrer. Dieser kann uns dann nicht gut sehen. Merke: Dein Schatten vor dir bedeutet, dass du schlecht gesehen wirst. Fallendes, rutschiges Laub, ist das nächste Problem. besonders nach einem kleinen Regen. Oder wenn Morgens die Wege an exponierten Stellen noch feucht sind. Dann ist das glatt wie Schnee Fahrbahn. Frühe Dunkelheit macht sich schnell auch durch fallende Temperaturen bemerkbar. Harte Licht Kontraste vordern deine Konzentration. Vor mancher Kurve schaust du in die gleißende, tief stehende Sonne, in Kurven Mitte allerdings, erlebe Finsternis. Kaum ist die wärmende Sonne hinter den Bergen verschwunden, wird es kühl bis unangenehm kalt! Dann rüstest du nach, mit Unterzieh Pulli, Softshell- oder Fleecejacken. Thermo Einlagen zum Einzippen. Wenn du sie mit dabei hast. 

Für herbstliche Spannung sorgen auch Brücken. Sie sind bald rutschig und gefährlich. Oftmals findest du auch verdreckte Wege vor. Vielerorts wird in den Bergen noch auf Hochdruck gearbeitet um die Strassen oder andere Bau Objekte vor dem Wintereinbruch fertig zu stellen. Das bedeutet verstärktes Aufkommen von Baumaschinen und anderen Last Kraftwagen. 

 

Und dann gibt es ja noch die Ernte Arbeiten. Ich sage dir deutlich: "Jeder Traktor birgt ein riesiges Gefahren Potential!" Oftmals beobachte ich Fahrer auf Monster Traktoren mit großer Spannung. 

Zu jung oder auch schon zu alt. Ungeübt oder verbraucht. Da ist aber Jeder gefordert. Da ist man als wichtiger Lebensmittel Produzent schnell Kompromissbereit, wenn es um den Feierabend geht. Oder um die letzte Fuhre vor dem Regen. Gestresst oft oder abgelenkt. Da wird ohne Blinken ab gebogen. Da wird ohne Rücksicht auf den übrigen Verkehr in die Strasse ein gefahren. Da bleibt man unvermittelt auf ein Schwätzchen mit dem Nachbar Jungen oder Jagd Kameraden stehen und blockiert hinter der Kurve die Strasse. Verschmutzungen werden natürlich nicht beseitigt obwohl es das Gesetz klar verlangt. In Wein und Oliven produzierenden Ländern geht naturgemäß auch eine große Gefahr von gequetschten, auslaufenden Säften aus. Da wird die Strasse schnell zur flotten Rutschpartie. 

 

Langsam wird uns klar, warum so Viele Menschen behaupten, dass Motorradfahren gefährlich ist.

Die harte Wahrheit ist, die haben tatsächlich Recht!

 

Es liegt also in erster Linie an uns selbst, so wenige Fehler als möglich zu produzieren um sicher über die Saison zu kommen. Dass es dabei nicht langweilig wird, dafür sorgen dann Andere. Die Unfallstatistiken sprechen eine klare Sprache. Meine Frau Eva ist seit etwa 27 Jahren Fahrschul Lehrerin. Ihr liegen Unterlagen aktuellster Erhebungen vor. Am gefährdetsten sind, nach wie vor, die Biker, welche auf ihren Sportmoped's Rennfahrer spielen. Viel zu schnell und ignorant unterwegs sind. Auch wenn sie manchmal selbst in der Lage wären, dieses Tempo zu Fahren und zu Beherrschen, rechnet der übrige Verkehr selten damit, dass dieses kleine Pünktchen in der Ferne, in fünf Sekunden an ihre Autotüre klopft. Das erlebte ich mal im Trentino. Es war ein sonniger, ruhiger Nachmittag in den Bergen über dem Valsugana Tal. Eine feine, saubere Gemeindestrasse führt in einen kleinen Ort und ein "Rennfahrer" sticht mit weit überhöhter Geschwindigkeit rein. Der kleine Lieferwagen konnte nicht erahnen mit welcher Geschwindigkeit der Racer durch den Ort fightet und bog raus aus der Ausfahrt. Wie ein Torpedo stach das Motorrad samt Fahrer durch die hintere Seitentüre und beide blieben tief im Auto stecken. Für Moped und Fahrer war's das letzte Rennen auf Erden. 

Die zweitgrößte Gruppe in der Unfallstatistik sind die Wieder Einsteiger welche nicht erwarten können, ihre zu starken Maschinen und sich selbst, kennen zu lernen. Sich nicht die Zeit schenken, Erfahrung zu sammeln weil sie glauben, dass sie immer noch die selben, guten Fahrer sind wie vor über zwanzig Jahren. Die kleine Pause? Was soll ich denn da verlernt haben? Noch dazu hab ich jetzt Geld und Freiheit genug, gleich mit einer 1000er an zu fangen. Oder mit einem 400 Kg Cruiser oder Chopper. 

Erst die dritte Gruppe sind die Anfänger die es nicht erwarten können, gute Motorradfahrer zu werden. Erfahrung zu erFahren! 

 

Wo lauern die größten Gefahren?

 

Linksabbieger und Wender: 

Sehr oft im Jahr passiert es mir, dass Autofahrer einfach auf offener, freier Strecke Umdrehen. Dabei Reversieren sie noch zwei bis drei Mal um ihren Wagen endlich in die richtige Richtung zu stellen. Wie gefährlich das für einen flott daherkommenden Motorradfahrer sein kann, ist ihnen meist nicht bewusst. "Wenn das Navi sagt ..."! Besser wäre es, die Navi's würden sagen: "Bitte Wenden sie erst bei der nächsten Ausweiche oder Kreuzung, sie Depp".

Die selbe Gefahr lauert im Ortsgebiet. Nur eben mit niedrigerer Geschwindigkeit. Wer kennt das nicht. Zäher Verkehr durch die Stadt. Motorradfahrer fahren links an der Autokolonne vorbei. Das dürfen sie in Österreich und vielen anderen Ländern auch, solange sie den Gegenverkehr nicht behindern. Wäre ja auch blöd, bei voller Sonnenheizung mit den klimatisierten Autofahrern in der Schlange zu stehen. Verstehe ich ja Alles. Also, der Motorrad Fahrer überholt die Autogruppe und freut sich! Bis dann, einer der Autofahrer den Spaß daran verliert und einfach, ohne Blick in den Rückspiegel und über die Schulter, doch noch schnell raus fährt in die Seitengasse oder überhaupt wendet. Meist auch noch ohne Blinken. Denn, es musste ja schnell gehen. Schon knallt es! 

Darum rate ich immer. Wenn du schon an einer Autoschlange vorbei fährst, dann nur im Schritttempo. Schau immer auch in die Seitenfenster und Seitenspiegel der Autofahrer und versuche zu erkennen ob sie nach einem möglichen Ausbruchsversuch Ausschau halten. Schau immer auf das Vorderrad des vor dir fahrenden Autos. Bei Schritttempo muss der Fahrer schon gehörig Lenken um aus der Kolonne Ausscheren zu können. Daran erkennst du seinen Plan rechtzeitig und kannst reagieren. 

Viel gefährlicher sind diese Manöver natürlich ausserhalb der Ortsgebiete, mit deutlich höherem Tempo. Ich rate dir dringend, keine Autokolonne in einem Stück zu überholen. Du weißt nicht, was die einzelnen Fahrer vor haben. Schnell findet sich einer der auch überholen will. Oder Jemand der plötzlich nach Links, in die Seitenstrasse einbiegt. 

Das passierte einem meiner Arbeitskollegen. Ein Mann mit über 350.000 Kilometer Motorrad Erfahrung. Er fuhr mit seiner Frau auf dem Soziussitz der Gold Wing, gemütlich eine Bundesstrasse entlang. Relaxt und Erfahren genug um seit Gedenken, unfallfrei, sein Hobby zu genießen. Nun entdeckte er vor sich einen Traktor mit Anhänger und dahinter, zwei Buben auf ihren 50 ccm Moped's. Diese fuhren neben einander. Traktor und Mopedjung's, das birgt Gefahrenpotential hoch Zehn! Also, höchste Vorsicht!

Mein Kollege bremst sich ein und beobachtet wie einer der Buben, natürlich ohne Blinken, sein Moped, links am Traktor vorbei führen wollte. Wer die großen Traktoren heutiger Zeit kennt weiß, dass 60 Km/h, für die gar kein Problem dar stellen. So hatte der Junge wohl erkannt, dass er mit seinem Moped nicht so leicht überholen kann, wie er dachte. Er scherte wieder ein und gesellte sich hinter den Traktor, an die Seite seines Freundes. Mein Kollege fuhr hinter den Jungs und beobachtete weiter. Nun war er sich sicher, dass ihn die Moped Jungs auch wahr genommen hatten und betätigte seinen Blinker, um sie und Traktor zu überholen. Scherte aus, beschleunigte und wurde vom linken Mopedjungen getroffen der es einfach wieder probieren wollte. Natürlich ohne zu Schauen. Rechnest du mit so viel Dummheit? Wärest du in die selbe Falle getappt? Ich schon! Auch nach 45 unfallfreien Jahren mit Auto und Motorrad! 

Mein Kollege? Wurde über die linke Fahrbahn, von der Strasse in den Bereich einer Autobus Haltestelle gestoßen. Traf zwischen Schulter und Hals Wirbelsäule ein Schild und wurde sehr schwer und bleibend verletzt. Seine Frau flog in hohem Bogen vom Motorrad und verletzte sich zum Glück nur am Bein, schwer. Natürlich waren sich die Mopedjungs vor dem Richter einig, dass der böse Motorradfahrer viel zu schnell und aus dem Nichts auftauchte und so den Unfall verursachte. Der Traktorfahrer sah wegen des Anhängers, gar nichts. So blieb Zeugenaussage gegen Zeugenaussage und Teilschuld für meinen Kollegen. 

 

Die Gefahr, welche generell von landwirtschaftlichen Fahrzeugen aus geht, habe ich oben schon erwähnt. Das Selbe gilt für Fahrzeuge von Montage-, Service-, Paket Transport- und Baufirmen. Beobachte das mal intensiv und du wirst wissen wovon ich spreche. Die Fahrer sind meist abgelenkt und mit ihren Gedanken schon in die nächste Arbeit vertieft. Oder in irgendwelche Unterlagen die unbedingt während der Fahrt studiert werden müssen. Natürlich mit, zwischen Schulter und Ohr geklemmtem Mobil Telephon. 

Weiters habe ich mir an gewöhnt, niemals auf meinen Vorrang zu vertrauen. Ich bin mir sicher, dass es vergleichbar schmerzt, ob ich im Recht oder Unrecht bin. Wenn ich dann auf das nächste Hindernis auf pralle. Wenn ich eine Strasse entlang fahre. Ob im Ortsgebiet oder im freien Geläuf, rechne ich generell damit, dass mir möglicherweise der Vorrang genommen wird. Ich beobachte immer, ob mich der Fahrer an der Kreuzung an schaut. Oder der mögliche Ausparker, da vorne, im stehenden Auto. Was er macht. Ob er sich mit dem Verkehr, oder was Anderem beschäftigt. Und immer, bin ich bremsbereit und sensibel. Geht ja um mein Leben und meine Gesundheit. 

Ich kann dir sagen, diese Vorsicht hat mich schon oft vor Schlimmem bewahrt. Viele Andere mussten aber trotz eigenem Vorranges, leiden. Recht haben schützt nicht vor Schaden! 

 

In gleichem Maße gefährlich wie emtionell unausgebrütete Pubertierende, sind übermotivierte "Hausstrecken Fahrer"! Wer kennt sie nicht? Über Dreißigtausend Euro teure Factory Bike's. Carbone Part's, Titan Sonderanfertigungs - Auspuff. Renn Fahrwerke, durch designtes Rennleder mit passendem Carbone Helm. Das Alles für den perfekten Auftritt. Nicht auf der Renn- sondern auf der Hausstrecke! Diese 10 Kilometer, diese bis in den tiefsten Schlaf verinnerlichten 11 Kurven gilt es zu beherrschen. Zu verteidigen gegen Alle und Jeden. Um dann, oben am Parkplatz des "Stammlokales", in würdiger Bewunderung zu baden. 

Würde auch nirgends so gut gehen als hier, auf der Hausstrecke. Solche Leute siehst du auch selten wo anders. Zu mühsam das Touren. Zu peinlich, mit deinem sündteuren PS - Monster vergeigt zu werden in der Fremde. Solche Pseudo Racer triffst du auf jeder beliebten Motorradstrecke. Besonders auf bekannten, interessanten Kurven Abschnitten. Ich rate dir, lass dich nicht darauf ein! Du kennst die Strecke und ihre Tücken nicht annähernd so gut wie dieser Lokal Racer. Selbst, wenn dieser auf einer 250er Enduro sitzt. Mit Jeans, Turnschuhen und kariertem Holzfäller Hemd. Ja das klingt blöd, hab ich aber selbst erlebt. Der ist, am mir vorbei da vom Berg runter gestochen, dass ich einfach kein Mittel gefunden habe ihm zu folgen. Zumindest nicht, ohne meine sichere Komfort Zone zu verlassen. Das wäre mir das Risiko allerdings nicht wert gewesen. 

 

Und dann sind sie auch oft noch so dämlich, dass sie Alles riskieren, nur um nicht als Weichei da stehen zu müssen vor ihren Kumpels. Mein letztes Erlebnis mit solchen Tieffliegern hatte ich vergangenen Herbst. Ich führte eine Gruppe mit insgesamt 4 Motorrädern über die schönsten Pässe der Norditalienischen Alpen. Timmelsjoch, Umbrailpass, Stilfserjoch und Gavia Pass. Von Ponte di legno kommend fuhren wir dann rauf auf den Passo Tonale. Dieser ist breit ausgebaut und kurvig und verlockt mit seinem guten Fahrbahn Zustand auch schnell mal zur flotteren Gangart. Passt ja auch, wenn man dabei nicht zur Gefahr wird. Dieser Pass ist aber schon wegen der Orts ansässigen Tiefflieger gefährlich genug. Diese erkennst du schnell, wenn du auf dem obersten Plateau der Passstrasse den Blick über die Parkplätze streifen lässt. Umgebaute Sport oder Naked Bike`s, Jeans, Lederjacke. Mehr brauchen sie ja nicht, da sie selten weiter fahren als vor der "eigenen Haustüre". Da stehen sie in Gruppen zusammen und beobachten ankommende und abfahrende Motorrad Touristen. Und denen müssen sie dann zeigen wer hier der Star ist. Als ich dann meine Gruppe an ihnen vorbei führte und wir das Ortsgebiet verließen, begann die schöne kurvige Strecke. Durch Tunnels, durch interessante Kurven Kombinationen, über Viadukte und Brücken. Ja, der Tonale ist schon interessant zu Fahren. Plötzlich zitterte die Luft und zu zweit, ja auch zu dritt nebeneinander, drängten sie an uns vorbei. Du hast das Gefühl, irrtümlich in ein Weltmeisterschafts Rennen geraten zu sein. Das war nur noch gefährlich und verrückt. Schnell lenkte ich meine Gruppe an die sichere, rechte Seite und ließ die Spinner vorbei rasen. Das war nur noch Bewahrung, dass uns da keiner ab geräumt hat. Mit lautem Motoren Gebrüll verschwanden etwa acht dieser Irregeführten vor uns im Tunnel. Als wir wieder Sonnenlicht erblickten lagen  zwei von ihnen schon verstreut auf der Strasse. Ein Motorrad rutschte noch lustig tanzend Richtung Gegenverkehr. Eines keilte sich unter das Brückengelände. Ein Fahrer lag auf der Fahrbahn, der Andere um den Steher einer Leitplanke gewickelt. Regungslos. Sie sind sich einfach gegenseitig in die Maschinen gefahren. Wollten ja gewinnen! Wir blieben stehen und dachten nur, wie schnell hätten die uns treffen können? Als Alles abgesichert war und die Rettung ihre Arbeit auf nahm, fuhren wir ernüchtert weiter. Das passierte mir nicht zum ersten Mal am Tonale. Wird auch nicht das letzte Mal gewesen sein! 

 

Dann gibt es noch die Leute, welche generell die Kurve schneiden. Die generell blind Überholen! Dieses Phänomen beobachte ich in Österreich in der Schweiz und in Deutschland und weiter westlich seltener. In Polen, in Ungarn, in der Slowakei, im Balkan, in den Karpaten, im Landesinneren von Korsika und Sardinien, gehört das gefühlt, zum normalen Verkehrs Alltag. Rechne in einer schlecht ein gesehenen Kurve immer damit, dass da Jemand deine Strassenseite mit benützt. Ist normal! Halte dich immer so weit Rechts als möglich!

 

Gehen wir richtig mit all den Gefahren um und besinnen wir uns täglich darauf, vorsichtig zu sein. Für Andere mit zu denken. Dann brauchen wir noch ein wenig Bewahrung und werden unser Moped glücklich und gesund wieder in die Garage schieben. Bevor der erste Schnee fällt.