Motorradwahl: 

 

Natürlich aus der Tourenfahrersicht. 

 

Was hab ich aus meiner ersten Motorrad - Saison seit dem Wiedereinstieg gelernt?

 

Erstens, dass es sehr vorteilhaft war, nicht gleich mit einer großen, starken Maschine zu beginnen! 

Die Spitzenplätze in der Motorrad - Unfallstatistik teilen sich leider die sich sehr oft selbst überschätzenden, "Supersport - Racer" mit den Wiedereinsteigern. 

 

Warum wohl? Wiedereinsteiger sind meist Leute, welche in ihrer Jugend ambitionierte Biker waren. Sonst würden sie wohl nicht das Verlangen haben, wieder auf's Bike zu steigen. Da sie meist im Lebensabschnitt angekommen sind wo die Verpflichtung für Wohnungssicherung, Karriere und Kinderversorgung weit vortgeschritten ist, haben viele auch das nötige Budget um gleich mal ein stattliches Motorrad zu kaufen. "Wenn, dann gleich richtig". Denn, in der Erinnerung ist ja gut leserlich nieder geschrieben, dass die nächste Maschine stärker, schneller, größer, geiler ...

 

Dann noch ein wenig Gruppenzwang. Kumpels laden zur gemeinsamen Tour ein und bald ist man müde und überfordert. Will man ja nicht zugeben, dass es besser wäre langsamer wieder Erfahrung zu sammeln. Dann passiert es schnell und man bombt kritisch bis lebensgefährlich über Pässe und fahrtechnisch anspruchsvolle Strecken. 

Wie oft passiert es mir, dass in den Bergen Norditaliens und Österreichs, überforderte Biker mit weit aufgerissenen Augen und dampfendem, rotem Gesicht, auf meiner Straßenseite daherkommen weil sie es nicht schafften, den Kurvenschwung auf ihrer Seite zu beenden. 

 

Ich selbst lehne es bewußt ab, die Kurven zu schneiden und werte das Verlassen meiner Fahrbahnhälfte ganz klar als Fahrfehler!

 

Die erste Probefahrt nach der längeren Mopedpause bringt einen normalerweise bald näher an die Realität. 

Schnell merkt man, dass man nicht die Reflexe, den schnellen Blick, möglicherweise auch die Kondition wie früher hat und spürt, dass man zwar auf dem Motorrad sitzt, aber nicht "Eins" damit ist. 

 

Das kann mehrere Gründe haben. Erstmals die Wahl des Motorrades.

Da ich ein beinahe freundschaftliches Verhältnis zu meinem Motorrad Dealer GINZINGER genieße, bietet sich mir auch die Möglichkeit, jedes Vorführmodell seiner vielen Marken zu probieren. Das verschafft mir auch einen guten Überblick über das aktuelle Angebot am Markt.

 

Eine der wichtigsten und ersten Entscheidungshilfen ist die Körpergröße. 

Und da greifen wir schon das erste Mal auf ein heißes Eisen. Welcher Mann gibt denn schon gerne zu, dass er zu klein ist, für sein Traummotorrad?

 

Selbst, wenn man nach allen technischen Möglichkeiten der Zeit eine Großenduro oder einen großen Sporttourer mittels Tieferlegung, Sitz abpolstern, höheren Schuhsolen und so weiter, glaubt, an sich anzupassen. Eigentlich wird das nix!

Die Geometrie des Fahrzeuges wird dabei meist so entscheidend verändert, dass es bald keine große Freude bereitet, sie artgerecht zu bewegen. Und leichter werden sie dadurch auch nicht. Was einen 1,6 Meter, 65 Kg - Mann oder eine normal gebaute Frau schnell an die körperlichen Grenzen bringt. Das wird dann mühsam und gefährlich. 

Es ist ehrlich keine Schande, mit einem Motorrad welches für meine körperlichen  und fahrerischen Voraussetzungen entwickelt wurde, schneller und sicherer zu fahren als Leute denen Markenimage und Eitelkeit den Split vor die Reifen streut. Denn ein passendes  Fahrzeug wird mich unterstützen und "Eins" mit mir werden. Und dann werde ich gut und sicher fahren. Das hat sehr wenig mit Leistung und viel Geld zu tun. 

 

Gerne erzähle ich wiederholt eine lustige und lehrreiche Geschichte meines Wiedereinstieges.

 

Bei der nächstbesten Gelegenheit meldete ich im Frühling meinen Roller und mich beim ÖAMTC zu einem Fahrsicherheitstraining, genannt "Warmup" an.

Galt es doch, Sicherheit und Gefühl für die dynamischen Kräfte, die Bremsen und die Reifen zu entwickeln.

Schon beim anfänglichen Gruppen Kennenlernen in der ÖAMTC eigenen Kaffeebar, fiel mir eine Bikerin auf. Etwa 40 Jahre alt, blonder langer Pferdeschwanz, Breitling Uhr, Tatoo's und eine HD-Lederausstattung welche etwa doppelt so teuer war, wie mein Roller und ich zusammen. Oha, für einen Mann mit Roller auch ein wenig beeindruckend! 

 

Beim Einführungsgespräch lenkte der Instruktor das Thema in die Richtung Fahrpraxis und Fahrzeug. Dabei erfuhren wir eingeschüchterten Normalo's, dass sie gerade erst den Führerschein machte und sich schon auf die Ausfahrten mit ihrer HD-Elektraglide ( fast 400 Kg. schwer ) freut. Das Befahren des geforderten Geschicklichkeits Parcours gelang ihr dann nicht wirklich. Schon beim Start und beim Ausscheren aus der Parkeinteilung in die erste Kurve, kratzte wertvolles Chrom auf dem Aspalt. Zum Glück ist die Elektraglide mit Koffern und Sturzbügel so breit, dass sie eigentlich nicht wirklich umfallen kann. Sie lehnt dann nur sehr schräg und unwürdig in der Gegend rum.

Als wir die Frau dann zum vierten Mal entzaubert aus der umgekippten Maschine bargen war sie überzeugt, dass für das erste Jahr auch so ein Motorroller wie meiner, gereicht hätte. Nachdem der Instruktor auf ihrer eigenen Maschine auf beeindruckende Weise demonstrierte, dass die Problematik nicht nur am Motorrad liegt, durfte sie den Rest des bezahlten Tages ein wenig auf der Kreisbahn kreisen und uns beim Kurvenfahren und Vollbremsen beobachten. 

 

Meine Frau Eva fährt eine SUZUKI Gladius mit etwa 70 PS, 70 Nm Drehmoment und 210 Kg. Gewicht. Und die fährt sie sehr flott und sicher.

Was nützt ein Motorrad bei welchem man 50% Leistung zu viel kauft und bezahlt.

Wer, ausser Rennfahrern, setzt auf engen Passstraßen die gekauften 150 PS ein?

Wer, benötigt auf Bundes- und Landstraßen, bei Tempo 100 oder 80, mehr als 70 PS?

Für Emotionen, sicher. Zum Fahren, sicher nicht. Ein teures Motorrad welches elektronisch die zu viel bezahlten PS auf ein fahrbares Maß herunter regelt. Wofür? Wegen der Fahrdynamik? 

 

Ein 70 PS Motorrad unter 220 Kg benötigt von 0 auf 100 Km/h etwa 4 Sekunden. Das sind Beschleunigungswerte eines Super-Sportwagens. Dabei ist das Motorrad noch deutlich schmäler, agiler und wendiger und daher viel schneller beim Überholen als ein Auto. 

 

Ein passendes Motorrad ist schon der halbe Weg zum Erfolg. Dann kann man auch noch mit dem gespartem Geld, Vorhandenes optimieren. Denn groß heißt meist auch teuer. 

 

In Eva's Fall gab es einen langstreckentauglichen Komfortsitz, gefräste Kupplungs- und Bremshebel für präziseres Bedienen des Antriebes durch exakte Einstellmöglichkeit auf die individuelle Fingerlänge. Ein, auf das Fahrergewicht und die bevorzugte Fahrweise abgestimmtes Fahrwerk welches das Gefühl zur Straße durch deutlich intensiveres Feedback um gefühlte 50% verbessert. Griffheizung, Handschutz Schalen, Zusatzscheinwerfer als Sicherheitselement zur besseren Wahrnehmung für andere Straßenteilnehmer und einen Sturzbügel für ungeplante "Liegepausen" beim mißglückten Rangieren.

 

Jetzt reden wir von einem wirklich guten Motorrad um gesamt EUR 10.000,- ( in Österreich ) mit dem sie in den letzten 6 Jahren 65.000 km gereist und in durchaus flott gefahrenen Gruppenfahrten, problemlos "Vorn dabei " ist. 

 

Generell würde ich, nach meinem persönlichen Empfinden, den aktuellen Markt in Sportler, Reiseenduro, Tourer, Naked's, Cruiser, Roller, Muskel- Bike's einteilen.