Jetzt komme ich zu meinem aktuell genutzten Motorradkonzept, zur Reiseenduro.

 

In dieser Liga spielen alle Motorradhersteller und rittern um Erfolg und Ehre.

Diese Moped's müssen Alles können! Langstreckentaugliche Sitzposition und bequeme Sitze für bis zu 2 Personen. Lange Fahrdistanzen ermöglicht der große Tank. 

Die individuell dafür konzipierten Koffersysteme bieten ausreichend Platz für Gepäck, aber auch die Möglichkeit zur Erweiterung. Die vielen Zurrösen und Befestigungspunke erlauben, Gegenstände, Gepäck, Gewand und sonstiges Zubehör zusätzlich auf und am Rahmen und an den Koffern zu befestigen. Die Koffer selbst kannst du, am Ziel oder in der Pause, als Sitz oder Tisch nützen.

Bei meinem GIVI-System genügt ein Handgriff, um die, sonst rahmenfest verankerten Koffer neben das  Moped stellen zu können. Kein umständliches Gefummel, kein Werkzeug erforderlich. Und die fassen Einiges! 

Beim Städtebummel verstaue ich darin neben dem Reisegepäck auch noch Motorradjacke, Handschuhe und Helm. Das gibt freie Hände zum Fotografieren und erspart nerviges Rumschleppen der Ausrüstung. Mir persönlich ist es auch lieber, meinen Helm im Koffer versperrt zu wissen. Jedes Ausrüstungsteil kann ich bei Gelegenheit nachkaufen, der gestohlene Helm macht mir die Weiterfahrt aber unmöglich, wenn an diesem Ort kein Ausrüstungshändler zu finden ist oder Sonn- und Feiertags, geschlossene Pforten einen schnellen Ersatz unmöglich machen. Und ja, Die Vandalen schneiden auch Kinnriemen ab oder stehlen Visiere!

 

Weiters geben mir die großen Koffer die Möglichkeit, entsprechend meiner präventiven Natur, Werkzeug und Ausrüstungsgegenstände mit zu führen die ich selbst zwar noch nie benötigte, mitreisende Freunde und Kameraden aber dankbar verwendeten. 

Auch im Alltagsbetrieb belasse ich die Koffer am Bike um ausreichend Stauraum für den Einkauf nutzen zu können. Find ich persönlich, einfach praktisch. 

 

Aktuell verzichte ich auf ein Topcase und nutze die ( unter dem Soziussitz ) serienmäßig vorhandene Gepäckbrücke für das wasserdichte 150L/35 Kg. Packerl. Darin findet man unser "transportables Hotel". Das hat gut Platz, ermöglicht einen tiefen Schwerpunkt und lässt sich zwischen den Haltegriffen stabil fixieren und sicher verzurren. 

Ja, gerne reisen wir, zumindest wenn es mit ausreichend Zeit in den Süden geht, mit Zelt. Das gibt Eva und mir, noch mal mehr Freiheits- und Abenteuer Kick. 

 

Zur Modell- und Markenwahl will ich mich nicht näher äussern. Zu groß ist das gleichwertige Angebot. Zu umfangreich die emotionalen, Prestige orientierten und vernünftigen Entscheidungspunkte. Die Mittelklasse ( von 600 bis 800 ccm. ) würde in den allermeisten Fällen zum Touren ausreichen. Die Oberklasse ( 1000 ccm und mehr ) bietet allerdings meist umfangreichere Ausstattung und mehr PS. 

Da ich freundschaftliche Beziehung zu meinem Mopeddealer ( 7 Marken ) pflege, bietet sich mir auch die Möglichkeit, fast alle neuen Modelle zu testen. Zumindest die, welche mich interessieren. Tatsächlich baut heute kein Hersteller ein unpassendes oder qualitativ schlechteres Moped als der Mitbewerb. Somit bleiben meist subjektive, emotionelle Entscheidungen für das Wunschbike. 

 

In meinem Fall war es ohnehin klar. Als Bub zierte ich die Wände meines Schülerzimmers mit Postern von Jean Clode Olivier und seinen Dakar - Yamahas. Dazu gesellte sich Stephan Peterhansel und Bilder von Tenere's die durch die Wüste flogen, dass sich die Afrikaner in ihren Lehmhütten beinahe Staublungen holten. 

 

Das erste echte Motorrad welches mir ein guter Freund selbstlos und beinahe jederzeit borgte war die heute noch bekannte und verehrte XT 500 mit Chromtank und goldenen Felgen. Der Urvater der heutigen, asphaltorientierten Enduro Maschinen. 

Und wenn man dann auch noch so fahren konnte wie mein burgenländischer Kumpel und Gönner Otto Zupanko, dann wurden auch die Kameraden auf ihren "echten" Enduro's hart abgeledert. Ja, Otto war ein großer Könner und Lehrmeister auf seiner XT. 

Die Freude, mit dieser YAMAHA über Feldwege zu fliegen, in der Schottergrube von Pinkafeld über Hügel zu springen und den Steilhang nur halb so spektakulär zu schaffen wie Otto. Das brannte sich unauslöschbar in mein Herz!

Also war für mich die Markenwahl ein emotionales, unverrückbares Großes.

 

Nach wunderbaren 85.000 problemlosen und günstige Kilometern mit der TDM 900 RN18, folgte eine emotionale Entscheidung. Nicht, dass ich ein neues Moped brauchte. Nicht, dass die TDM Mängel oder Schwächen aufwies die mich zu einem anderen Motorrad drängten. Ein Freund, begnadeter Biker und Mechaniker zerlegte seine RN18 mal über den Winter in ihre Einzelteile. Der keramisierte Motor zeigte, auch nach beinahe 100.000 Km. Laufleistung, auf den Zylinderinnenseiten die Bearbeitungsspuren der Fertigung! 

Jetzt ist es aber so, dass Gerhard seine Gashand wirklich nicht als Nasenbohrer verwendet. Oft wunderten wir uns über die Leichtigkeit seiner Kurvenkompetenz, mit der er auf großer Tour, seine schwer bepackte TDM 900A aussen, an den Supersportlern vorbeizoomte, oder mit harter Bremshand die Innenlinie abonnierte.

 

Nein, die TDM konnte alles was ich brauchte! Ja, noch mehr, als ich mit meinem Können umsetzen konnte. Aber mein Herz schrie nach dem Geist aus meinem Kinderzimmer. Auch schloss ich nicht aus, dass selbst ich, eher älter als jünger werden könnte. So sollte mein nächster Kauf wohl mein letztes "großes" Motorrad sein. 

 

Darum spielte ich auf der Klaviatur meiner finanziellen Möglichkeiten, druckvolles und temperamentvolles Staccato. Mit beiden Händen! 

 

YAMAHA XT1200ZE Super Tenere, Worldcrosser Edition. 

 

Was für eine Reiseenduro!

Ein im unteren Drehzahlbereich schon sehr kraftvoller Motor der dich - durch Drosselung der ersten zwei Gänge - nicht stresst. Kraftvoll und sparsam alle gestellten Aufgaben löst. Mit verschiedenen, während der Fahrt wählbaren  Motorkonfigurationen immer den richtigen Charakter anbietet.

 

Für Sand- und Schotterpisten einstellbares und abschaltbares ASR. Ein elektronisch einstellbares Fahrwerk welches ich auf meine Wünsche vorkonfigurieren kann um es im Betrieb genau auf meinen bevorzugten Modus zu stellen. Weiches dämpfen harter Wellen und Buckelpisten. Hartes Fahrwerk für sportliche Rückmeldung des Straßenzustandes. Oder zur besseren Wasserverdrängung im Regen. Und das alles, während der Fahrt. Klick, klick, Tipp, Tipp, mit den Daumen. 

 

Griffheizung für sicheres und gutes Gefühl, Tempomat zum entspannen der Gashand oder um sich in Geschwindigkeitsbegrenzungen den Blick auf den Tacho zu ersparen. 

Integrales Bremssystem. Höhenverstellbare Scheibe. Höhenverstellbare Sitzbank. Souveräne Sitzposition. Breiter Lenker zur hervorragenden Kontrolle im Langsamfahrbetrieb und auf Rumpelpisten. Optimale Gewichtsverteilung des Körpers bei stehend gefahrenen Passagen. Man steht komplett balanciert. Viel Platz für Gepäck. Navi Befestigung in optimaler Blickposition.

 

Wartungsfreier Kardanantrieb. LED Nebelscheinwerfer für gute Sicht vor das Motorrad und um selbst gut gesehen zu werden. AKRAPO Auspuff zur Gewichtersparnis und zur deutlich spürbaren Glättung der Drehmomentkurve. Natürlich auch zur Soundoptimierung. Kein nerviges, hysterisches Geschrei! Kein kratziges  Rumpeln welches wir oft von amerikanischen Cruisern u. Choppern aufgedrückt bekommen. Dessen Geräusch an einen Schneepflug erinnert, der über trockenen Schotter kratzt. 

 

Nein, ein langhubiger 1200 ccm Twin mit drehmomentoptimierendem 270° Hubzapfenversatz, klingt eher wie ein fernes Gewitter. Dieser tiefe, satte Bass signalisiert: "Da kommt Einer der mächtig Eier in der Hose hat". 

Ist halt blöd wenn ich dann an der Eisdiele nicht den Helm runter nehmen darf. Sieht ja gleich Jeder, dass die fruchtbarsten Jahre dieses friedhofsblonden Helden schon als verblassende Erinnerung hinterher hecheln.  

 

Wenn du allerdings mit zittriger Hand, das Auspacken deines eigenen Traumbike's fotografieren darfst, dann weißt du auch im fortgeschrittenen Alter, dass du ein Bub geblieben bist. 

Was ich noch anbringen wollte! Die Auswahl der unterschiedlichen Reifen macht die Reiseenduro ebenfalls sehr interessant. Wenn du hauptsächlich Asphaltstraßen bevorzugst wählst du Touringreifen. Liebst du es, hin und wieder Schotter- und Erdpisten zu nutzen, greif zum Mischreifen. Schlägt dein Herz trotz meist ungünstigem Gewicht der Reisebrummer für Sand und Ofroadtouren, kauf dir Stollenreifen. Gibt es alles legal zu benutzen, im gut sortierten Fachhandel. 

 

Ich selbst bin ein großer Fan von METZELER Reifen geworden. Dieser deutsche Reifenhersteller schafft es wie kein Anderer, Gummi anzubieten mit dem ich mich Performance mäßig und wirtschaftlich am wohlsten fühle. Natürlich habe ich die meisten, bekannten Marken probiert und bei meiner durchschnittlichen Jahresleistung von 15.000 Km. auch ausgiebig Möglichkeit dazu bekommen. 

 

Jetzt möchte ich noch ganz kurz über Internet Foren sprechen.

Sehr viele Informationen zum Thema Motorrad und Ausrüstung bekam ich über Foren.

Man bekommt auch sehr schnell Überblick über Vor- und Nachteile von Motorrädern.

Bekannte Mängel, bekannte Unpässlichkeiten und Schwächen und wie man ihnen begegnen kann. Preisvergleiche. Präventivmaßnahmen zur rechtzeitigen Vorbeugung von Problemen. Ja, ich selbst habe mich intensiv in Foren informiert bevor ich die Entscheidung zum Kauf meiner Motorräder traf. 

 

Aber mindestens so wichtig ist der soziale Aspekt! Tatsächlich findet man sehr schnell Anschluß an Gleichgesinnte. Gemeinsame Touren. Stammtische. Größere Treffen. Ja, sogar Freundschaften habe ich gewonnen. Wenn ich an das TDM-Forum denke kann ich ehrlich sagen, dass ich hier Menschen kennen gelernt habe die mir ans Herz gewachsen sind. Jedes Jahr freue ich mich auf das österreichische Treffen ( genannt AT ) um wieder gemeinsame Ausfahrten und Stunden zu genießen. Auch der gegenseitige Besuch und spontanes Treffen auf eine Tour sind ein echter Gewinn. Mit manchen Forumsfreunden bin ich schon zig Tausende Kilometer quer durch Zentraleuropa gefahren und immer war es herausfordernd und schön. Ein großer Schatz sind natürlich auch die Perlen welche Forumsfreunde in ihrem Umfeld kennen. Welche unbekannten Strecken, Sehenswürdigkeiten und Wohlfühloasen die du als Durchreisender nie zu Gesicht bekommen würdest. 

 

Schwieriger wird es dann bei sehr großen Foren. Da kannst du - wenn du denn willst - schon sehr viel Zeit versenken. Es gibt natürlich, wie auch am Stammtisch, Leute, die sich nicht vorstellen können, dass es ohne ihre Meinung auch gehen könnte. Obwohl sie wissen, dass sie keine brauchbare Hilfe anbieten können. Das klingt dann so: "Tut mir Leid, zu diesem Thema kann ich nichts aus eigener Erfahrung sagen, aber ...". Gerüchte, Gegengerüchte. Kritik, störrische Auflehnung. Geplänkel ( Piefke gegen Ösi. Beide gegen die Schweizer. Schweizer und Ösi gegen die Piefke. Natürlich die ausserhalb der Weißwurstgrenze, denn Bayern sind ja ganz anders als ... ! 

 

Kann sehr viel Spaß machen, kann aber auch sehr viel Zeit fressen wenn du konkrete Hilfe brauchst. Die bekommst du aber ziemlich sicher. Auch wenn anfangs 10 Leute 15 Meinungen vertreten. Einmal las ich im TDM-Forum mit der Bitte um Info: "... und ich danke schon im Voraus denen Leuten die keine Meinung zu meinem Thema haben und mich darüber auch nicht informieren." 

 

Wie gesagt, unterhaltsam, informativ und wertvoll! Es gibt wenige Tage, an denen ich nicht einen kurzen Blick in das Forum werfe. 

 

So, jetzt habe ich aber genug Klug gescheißert.