Der Helm:

 

Einer der wichtigsten Teile unserer Touren-Ausrüstung ist zweifelsfrei, der geeignete Helm. 

Für die Bedürfnisse auf langer Fahrt mit unterschiedlichsten Witterungseinflüssen halte ich persönlich drei Helmvarianten für geeignet. Mit diesen habe ich jahrelange Erfahrung gesammelt. Ich spreche von Vollvisier- von Klapphelmen und Endurohelmen. 

 

Als Tourenfahrer bevorzugen viele allerdings einen Kopfschutz mit Klapptechnik. Warum?

Die Möglichkeit, das Kinnteil nach oben zu klappen schafft einige maßgebliche Vorteile. Da wäre zum Ersten, das Auf- und Absetzen als Brillenträger.

Die Brille durch die meist deutlich schmälere Visier Öffnung eines Vollvisierhelmes zu schieben und dann mit den Bügeln auch noch den passenden Platz an den Ohren zu treffen ist bei den meisten von mir getesteten Vollvisierhelmen lästig bis unmöglich. Zudem ist das Sichtfeld bei Klapphelmen meist größer und mittlerweilen haben sich auch die Designer an den Gedanken gewöhnt, dass Tourenfahrer auch schöne Helme tragen wollen.

 

Vor Jahren waren Klapphelme in der Regel schwarze oder graue, klobige Kugeln die nicht wirklich konkurrieren konnten mit stylischen, sportlichen Vollvisierhelmen. Styling ist wichtig?

Diese Behauptung möchte ich gerne erläutern. Der Kopf und somit der Helm ist der höchste Punkt an einem Motorradfahrer. Warum sollte ich ihn also nicht als optische Hilfe zur frühen Erkennung nutzen? Helles, auffälliges Design wirkt wie eine weithin sichtbare Boje und Autofahrer können mich gut erkennen.

Vorne leuchtet ja in der Regel ein oder mehrere auffallende Scheinwerfer. Das Rücklicht eines Motorrades ist bei Tag meist nicht gut erkennbar. Darum lege ich besonders Wert auf auffallend helles und somit weithin sichtbares Helmdesign auf der Rückseite des Kopfes. 

 

Auch der massive Klappmechanismus bei Helmen vergangener Entwicklungsstufen legte beim Gewicht und der Geräuschentwicklung noch einige Last auf. Anders heute! Fast alle großen Hersteller bemühen sich mittlerweile um die zahlungskräftige Gruppe der Tourenfahrer und bietet schöne, sichere und auf die besonderen Bedürfnisse zugeschnittene Helme an. Große Visiere, PinLock Technik gegen das Beschlagen bei Regen und kalter Umgebungsluft. Ein Brillenkanal zum einfachen Verwenden der vorhandenen, meist hochwertigen Sehhilfen spart die Anschaffung einer alternativen "Helmbrille" mit dünnen Bügeln und Rahmen.

 

Herunterklappbare, integrierte Sonnenvisiere bieten guten Blendschutz und verschwinden bei den meisten hochwertigen Helmen mit einem Knopfdruck wieder aus dem Gesichtsfeld. Das bietet einen sehr großen Komfort- und Sicherheitsgewinn. Ich weiß noch gut wie es war, als ich zum ersten mal mit Sonnenbrille in einen unbeleuchteten italienischen Naturfels Tunnel eintauchte. Diesen Schock vergesse ich sicher nie mehr wieder! Alles ist dunkel und die Sicht fast Null.

Ja, es gibt auch Kurvenkombinationen in diesen Höhlen. Dann noch ein, oder noch schlimmer, eine Gruppe unbeleuchteter Radfahrer, wie sie überall an Wochenenden unterwegs sind ...  

 

Das passiert mit integriertem versenkbarem Sonnenvisier nicht so drastisch. Ein Knopfdruck vor dem Tunnel und ich habe freie Sicht. Aber die Helmausstattung nach aktuellem Stand der Dinge ist noch weit umfangreicher. 

Auf Wunsch, fertig eingebaute Technik für Gegensprechanlagen, Telephonkoppelung und Navi Ansagen, komplettieren aktuelle Klapphelme. Dazu attraktives Design zur Individualisierung und besseren Erkennbarkeit. Durch Verwendung von Carbonfaser, Aramid und Fiberglas, auch angenehm erträgliches Gewicht. 

 

Mein aktueller Reise-Enduro Helm: Dieser zeichnet sich zusätzlich dadurch aus, dass er mit Abstand der leiseste Helm ist den ich jemals verwendet habe. Aber die Einflüsse wie Gewand, Windschild und Körpergröße reden dabei natürlich auch noch ein lautes Wort mit. Also trau ich mich da keine verbindliche, allgemeine Aussage machen. 

 

Bei meinem neuen TOURATECH Aventuro Carbon überzeugt mich vor allem die optimale Belüftung. Den ersten Regen nach dem Kauf nutzte ich sofort zum intensiven Praxistest. Zwei Stunden Dauerregen mit geschlossener Oberkopfbelüftung und geöffneter Kinnbelüftung versorgten Lunge, Pinlock-Visier und optische Brille mit ausreichend Frischluft und nichts lief an. Selbst eine halbe Stunde langsamer Stadtverkehr mit geschlossenem Visier brachte ihn nicht in Verlegenheit. Auch durch die geöffnete Kinnbelüftung drang kein Wasser. Einfach super!

Das konnte bisher keiner meiner Helme!  

Dabei bestätigt sich wieder, dass TOURATECH sehr auf Qualität setzt. Darauf kann ich mich auf meinen Reisen seit vielen Jahren verlassen (siehe Thema Anzug). 

 

Waschbares Innenfutter, auffälliges, weithin sichtbares Design.

Sehr großer Sichtbereich seitlich und nach unten durch das große Visier und das große, verstellbare Sonnenschild bei Fahrt in die tiefstehende Sonne. Damit spart man sich das versenkbare Sonnenvisier und seine nötige Technik.

Beeindruckend auch, besonders leichtes Gewicht (Carbon) und die Airodynamische Form die ihn fast selbstständig "fliegen" lässt. Auch bei höheren Geschwindigkeiten. 

 

Der Preis relativiert sich auch noch im Vergleich mit billigeren Duroplast Helmen, welchen man aus Sicherheitsgründen nur eine beschränkte Lebensdauer zugestehen darf. Denn der Weichmacher im Plastik dampft in der Sonne aus und beeinträchtigt die Sicherheit des Helmes sehr. Bei einem Sturz kann die Aussenschale den harten Aufschlag nicht mehr optimal dämpfen und bekommt sogar Sprünge.

Darum rate ich auch dringend, einen Duroplast Helm nach spätestens 3 Saisonen zu entsorgen.

 

Natürlich, Saison ist nicht gleich Saison! Es ist ein wesentlicher Unterschied ob dich dein Helm jährlich 2.000 Kilometer, oder wie in meinem Fall, auch schon 20.000 Kilometer durch die Lande begleitet.

Beim "teureren" Helm aus Carbon, Glasfaser und ähnlich hochwertigen Materialien, reicht es meist schon aus, die austauschbare Innenausstattung zu ersetzen um die gewünschte Passform zu erhalten und du hast weiterhin viele Saisonen Freude mit deinem Kopfschutz.

Meist bieten die Hersteller hochwertigerer Helme auch die Möglichkeit, durch viele unterschiedliche Schalengrößen, die optimale Schale zur Kopfgröße zu verwenden.

 

Bei "Billighelmen" bekommst du meist einen zu großen Einheits Helm der Innen mit viel Material auf deine Kopfgröße adaptiert wird.  Groß. laut, schwer! 

 

Ein klarer Vorteil des Klapp- gegenüber dem Vollvisierhelm wird schnell beim Fotografieren mit Sucher- oder Spiegelreflexkameras geschätzt. Klappe auf, Foto geschossen, Klappe zu. 

 

Ein weiterer positiver Aspekt zeigt sich zunehmend auf Tankstellen. Viele Angestellte wurden bereits überfallen oder haben begründete Angst wenn ein Mann in Motorradkluft und Helm auf sie zu steuert. Möglicherweise noch mit Sonnenbrille!

Darum weisen bei vielen Tanksellen schon auffällig platzierte Aufkleber darauf hin, dass der Helm vor dem Betreten des Raumes abgenommen werden soll.

 

Da wirkt ein freundlich lächelnder Mensch mit weit geöffnetem Klapphelm und gut sichtbarem Geldbeutel in der Hand, schon deutlich harmloser. Tatsächlich erlebte ich mit offenem Klapphelm - trotz Hinweisaufkleber - noch nie eine Beanstandung. Warum ich ihn nicht absetzte? Weil es eben ging. Faulheit. 

Bei meinem Enduro Helm stört es mich auch nicht ihn vom Kopf zu ziehen und unter den wachsamen Augen von Freunden beim Motorrad zu lassen oder ihn als Handkörbchen für Navi, Handy und Handschuhe zu missbrauchen.

 

Zum Thema, optische Brille im Helm, kann ich auch noch was sagen.

Normalerweise funktionieren die Belüftungen moderner Helme schon sehr gut.

In besonderen Situationen aber, kann es bei Integral- oder Klapphelmen vorkommen, dass zwar das Helm Visier durch Pinlock Technik klar bleibt, die darunter getragene, optische Brille aber beschlägt. Das passierte mir meist wenn ich im Regen auf aufgeweichten Pisten oder sehr kurvigen Pässen unterwegs war und das Fahr Tempo nicht ausreichte um die, nah am Gesicht sitzende Brille auch wirkungsvoll zu belüften. Auch in der Stadt.

 

In den Karpaten musste ich schon mit halb offenem Visier über weiche, ausgefahrene Schlammwege zuckeln und dabei in Kauf nehmen, dass mir das Regenwasser in den Helm rann. Das Selbe passierte mir auch mal in den Dolomiten bei leichtem Hagel und Temperatursturz. 

Die beste Antwort auf dieses Problem ist rechtzeitig aufgebrachtes Anti Beschlag Mittel auf der Brille. Bei meinen letzten Versuchen bewährte es sich recht gut und darum habe ich es immer in meinem Hygienebeutel. Dann kann ich im Zweifelsfall, gleich nach dem morgendlichen Wetterkartenstudium, schon im Hotel die nötigen Vorkehrungen treffen.

 

Bei Unterziehhauben, Schals und sonstigen Tüchern gehen die Geschmäcker weit auseinander. Ich selbst schütze meinen Helm vor meinem Schweiß mit einer Sturmhaube. Auch dabei rate ich zu keiner übertriebenen Sparsamkeit. Flachnähte und dünne Stoffe verhindern Druckstellen u. Schmerzen und unterstützen die Belüftung. 

Auch der Hals ist gut gegen Zugluft und Insekten geschützt. 

Diese kann in der Waschmaschine gewaschen, oder im Hotelzimmer schnell im Handwaschbecken „rausgedrückt“ werden.

Meinen Helm reinige ich dann, nach längeren Touren, mit Helm Innenreiniger vom Fachhandel. Das gibt feinen Duft und schützt vor Bakterien. Aussenschale und Visier imprägniere ich dann durch eine Schicht Hartwachs (Carnauba) vom Autopflege Fachhandel. Das schützt gut vor schneller Verschmutzung und lässt Regentropfen keine Möglichkeit sich „festzuhalten“.

Für kalte Kilometer führe ich oft, im Fachhandel erhältliche Schlauchschals im Seitenkoffer mit. Diese verwende ich bei Bedarf nur als zusätzlichen Windschutz für den Hals. 

 

Gegen die tief stehende Sonne klebte ich mir auf Integral- oder Klapphelme meist  einen etwa 3 cm breiten Streifen entlang der Visier Oberkante, der genau so lange ist wie das Visier selbst. Diesen kann ich dann dem Helmdesign anpassen oder darauf einen meiner Unterstützer präsentieren.

Da üblicherweise bei Klapp Helmen größerer Visiere verwendet werden, beeinträchtigt dieser Streifen auch nicht das Blickfeld. Wenn mich die Sonne dann blendete, neigte ich den Blick einfach so weit wie nötig und mein Blendschutzstreifen erspart mir zugekniffene und tränende Augen. Die Streifen ließ ich mir gleich in größerer Stückzahl beim Autofolierer meines Vertrauens anfertigen. Das kostete nur ein paar Euro und ist ein großer Komfort- und Sicherheitsgewinn.

 

Die neueste, mir bekannte Entwicklung ist ein wertvolles Visier eines bekannten italienischen Helm Herstellers welches sich per Tastendruck, elektronisch verdunkelt. LCD Technik, denke ich.

Muss man dann nach der Tour an der Steckdose aufladen. Na, ja...

 

Noch was. Wenn sich der Helm beim Neukauf etwas eng an fühlt und die Wangenbäckchen zusammendrückt, ist er genau richtig. Bequemer wird er nach mehrmaligem Benutzen ganz von selbst.

 

 

 

Für die Brille!