Der Helm:

 

Einer der wichtigsten Teile unserer Touren-Ausrüstung ist zweifelsfrei, der geeignete Helm. 

Für die Bedürfnisse auf langer Fahrt mit unterschiedlichsten Witterungseinflüssen halte ich persönlich nur zwei Helmvarianten für optimal. Mit Beiden habe ich jahrelange Erfahrung gesammelt. Ich spreche von Vollvisier- und Klapphelmen. 

 

Als Tourenfahrer bevorzuge ich allerdings einen Kopfschutz mit Klapptechnik. Warum?

Die Möglichkeit, den Kinnteil nach oben zu klappen schafft mir einige maßgebliche Vorteile. Da wäre zum Ersten, das Auf- und Absetzen als Brillenträger.

Die Brille durch die meist deutlich schmälere Visier Öffnung eines Vollvisierhelmes zu schieben und dann mit den Bügeln auch noch den passenden Platz an den Ohren zu treffen ist bei den meisten von mir getesteten Vollvisierhelmen lästig bis unmöglich. Zudem ist das Sichtfeld bei Klapphelmen meist größer und mittlerweilen haben sich auch die Designer an den Gedanken gewöhnt, dass Tourenfahrer auch schöne Helme tragen wollen.

 

Vor etwa 10 Jahren waren Klapphelme in der Regel schwarze oder graue, klobige Kugeln die nicht wirklich konkurrieren konnten mit stylischen, sportlichen Vollvisierhelmen. Styling ist wichtig?

Diese Behauptung möchte ich gerne erläutern. Der Kopf und somit der Helm ist der höchste Punkt an einem Motorradfahrer. Warum sollte ich ihn also nicht als optische Hilfe zur frühen Erkennung nutzen? Helles, auffälliges Design wirkt wie eine weithin sichtbare Boje und Autofahrer können mich gut erkennen.

Vorne leuchtet ja in der Regel ein auffallender Scheinwerfer. Das Rücklicht eines Motorrades ist bei Tag meist nicht gut erkennbar. Darum lege ich besonders Wert auf auffallend helles und somit weithin sichtbares Helmdesign auf der Rückseite des Kopfes. 

 

Auch der massive Klappmechanismus bei Helmen vergangener Entwicklungsstufen legte beim Gewicht noch einige Last auf. Anders heute! Fast alle großen Hersteller bemühen sich mittlerweile um die zahlungskräftige Gruppe der Tourenfahrer und bietet schöne, sichere und auf die besonderen Bedürfnisse zugeschnittene Helme an. Große Visiere, PinLock Technik gegen das Beschlagen bei Regen und kalter Umgebungsluft. Ein Brillenkanal zum einfachen Verwenden der vorhandenen, meist hochwertigen Sehhilfen spart die Anschaffung einer alternativen "Helmbrille" mit dünnen Bügeln und Rahmen.

 

Herunterklappbare, integrierte Sonnenvisiere bieten guten Blendschutz und verschwinden bei den meisten hochwertigen Helmen mit einem Knopfdruck wieder aus dem Gesichtsfeld. Das bietet einen sehr großen Komfort- und Sicherheitsgewinn. Ich weiß noch gut wie es war, als ich zum ersten mal mit Sonnenbrille in einen unbeleuchteten italienischen Naturfels Tunnel eintauchte. Diesen Schock vergesse ich sicher nie mehr wieder! Alles ist dunkel und deine Sicht fast Null.

Ja, es gibt auch Kurvenkombinationen in diesen Höhlen. Dann noch ein, oder noch schlimmer, eine Gruppe unbeleuchteter Radfahrer, wie sie überall an Wochenenden unterwegs sind ...  

 

Das passiert mit integriertem versenkbarem Sonnenvisier nicht. Ein Knopfdruck vor dem Tunnel und ich habe freie Sicht. Aber die Helmausstattung nach aktuellem Stand der Dinge ist noch weit umfangreicher. 

Auf Wunsch, fertig eingebaute Technik für Gegensprechanlagen, Telephonkoppelung und Navi Ansagen, komplettieren aktuelle Klapphelme. Dazu attraktives Design zur Individualisierung und besseren Erkennbarkeit. Durch Verwendung von Carbonfaser, Aramid und Fiberglas, auch angenehm erträgliches Gewicht. 

 

Mein aktueller Helm ist von HJC und wiegt in der Größe "M" gerade mal 1400g. Dieser zeichnet sich zusätzlich dadurch aus, dass er mit Abstand der leiseste Helm ist den ich jemals verwendet habe. Ja, auch leiser als der Helm eines deutschen Prämium Herstellers. Dieser kostet deutlich mehr als mein HJC und die Kinnfixierung ärgerte mich bei beiden, von mir in der Vergangenheit verwendeten Helmen zweier Generationen, mit der gleichen Marotte.

Diese äusserte sich meist schon in der zweiten Saison. Bei hochgeklapptem Kinnteil durfte ich an mich gerichtete Fragen besser nur mit "Nein" beantworten. Denn jedes Mal wenn ich bejahend nickte, klappte der Teil selbstständig runter. Das nervt! 

 

Mein HJC fixierte auch in der vierten Saison sehr gut, ist mit besten, Materialien und Techniken verarbeitet und kostete aktuell EUR 450,-

In Punkto Sicherheit / Komfort /Preis / Leistung und Design, sehr attraktiv! Das bestätigt auch die Fachpresse mit mehreren Auszeichnungen!

 

Der Preis relativiert sich auch noch im Vergleich mit billigeren Duroplast Helmen, welchen man nur eine beschränkte Lebensdauer zugestehen kann. Denn der Weichmacher im Plastik dampft in der Sonne aus und beeinträchtigt die Sicherheit des Helmes sehr. Bei einem Sturz kann die Aussenschale den harten Aufschlag nicht mehr optimal dämpfen und bekommt sogar Sprünge.

Darum wird auch geraten, einen Duroplast Helm nach 4 Saisonen zu entsorgen. Aber Saison ist nicht gleich Saison. Es ist ein wesentlicher Unterschied ob dich dein Helm jährlich 400 Kilometer, oder wie in meinem Fall, etwa 15.000 Kilometer durch die Lande begleitet. Beim "teureren" Helm aus Carbon, Glasfaser und ähnlich hochwertigen Materialien, reicht es meist schon aus, die austauschbare Innenausstattung zu wechseln um die gewünschte Passform zu erhalten und du hast weiterhin viele Saisonen Freude mit deinem Kopfschutz. Meist bieten die Hersteller hochwertigerer Helme auch die Möglichkeit, durch drei bis vier unterschiedliche Schalengrößen, die optimale Schale zur Kopfgröße zu verwenden. Bei "Billighelmen" bekommst du meist einen zu großen Einheits Helm der Innen mit viel Material auf deine Kopfgröße adaptiert wird.  Groß. laut, schwer! 

 

Ein klarer Vorteil des Klapp- gegenüber dem Vollvisierhelm wird schnell beim Fotografieren mit Sucher- oder Spiegelreflexkameras geschätzt. Klappe auf, Foto geschossen, Klappe zu. 

Ein weiterer positiver Aspekt zeigt sich zunehmend auf Tankstellen. Viele Angestellte wurden bereits überfallen und haben begründete Angst, wenn ein Mann in Motorradkluft und Helm auf sie zu steuert. Möglicherweise noch mit Sonnenbrille! Darum weisen bei vielen Tanksellen schon auffällig platzierte Aufkleber darauf hin, dass der Helm vor dem Betreten des Raumes abgenommen werden soll.

 

Da sieht ein freundlich lächelnder Mensch mit weit geöffnetem Klapphelm und gut sichtbarem Geldbeutel in der Hand, schon deutlich harmloser aus. Tatsächlich erlebte ich mit offenem Klapphelm - trotz Hinweisaufkleber - noch nie eine Beanstandung. 

 

Zum Thema, optische Brille im Helm, kann ich auch noch was sagen. Normalerweise funktionieren die Belüftungen moderner Helme schon sehr gut.

In besonderen Situationen aber, kann es vorkommen, dass zwar das Helm Visier klar bleibt, die darunter getragene Brille aber beschlägt. Das passiert mir meist wenn ich im Regen auf aufgeweichten Pisten oder sehr kurvigen Pässen unterwegs bin und das Fahr Tempo nicht ausreicht um die, nah am Gesicht sitzende Brille, auch ausreichend zu belüften. In den Karpaten musste ich schon mit halb offenem Visier über weiche, ausgefahrene Schlammwege zuckeln und dabei in Kauf nehmen, dass mir das Regenwasser in den Helm rann. Das Selbe passierte mir auch mal in den Dolomiten bei leichtem Hagel und begleitendem Temperatursturz. 

Die beste Antwort auf dieses Problem ist rechtzeitig aufgebrachtes Anti Beschlag Mittel auf der Brille. Bei meinen letzten Versuchen bewährte es sich recht gut und darum habe ich es immer in meinem Hygienebeutel. Dann kann ich im Zweifelsfall, gleich nach dem morgendlichen Wetterkartenstudium, schon im Hotel die nötigen Vorkehrungen treffen.

 

Bei Unterziehhauben, Schals und sonstigen Tüchern gehen die Geschmäcker weit auseinander. Ich selbst verwende in der warmen Jahreszeit keine Bekleidung unter dem Helm. Diesen reinige ich dann nach längeren Touren mit Helm Innenreiniger vom Fachhandel. Das gibt feinen Duft und schützt vor Bakterien.

Für kalte Kilometer führe ich immer, im Fachhandel erhältliche Schlauchschals im Seitenkoffer mit. Diese kann ich dann, je nach Bedarf, über den Kopf oder bis unter die Augen ziehen. Meist aber, verwende ich sie nur als Windschutz für den Hals. 

 

Gegen die tief stehende Sonne klebe ich mir immer einen etwa 3 cm breiten Streifen entlang der Visier Oberkante, der genau so lange ist, wie das Visier selbst. Diesen kann ich dann dem Helmdesign anpassen oder mich künstlerisch verwirklichen. Da üblicherweise bei Klapp Helmen deutlich größerer Visiere verwendet werden, beeinträchtigt dieser Streifen auch nicht das benötigte Blickfeld.  Wenn mich die Sonne dann blendet, neige ich den Blick einfach so weit wie nötig und mein Blendschutz erspart mir zugekniffene und tränende Augen. Diesen Trick lernte ich von Formel 1 Fahrern. Die Streifen lasse ich mir gleich in größerer Stückzahl beim Autofolierer meines Vertrauens anfertigen. Das kostet ein paar Euro und ist ein großer Sicherheitsgewinn.

 

Die neueste, mir bekannte Entwicklung ist ein wertvolles Visier eines bekannten italienischen Helm Herstellers welches sich per Tastendruck, elektronisch verdunkelt. LCD Technik, denke ich.

Muss man dann nach der Tour an der Steckdose aufladen. Na, ja.

 

Noch was. Wenn sich der Helm beim Neukauf etwas eng an fühlt, ist er genau richtig. Weiter wird er nach öfteren  Benutzen ganz von selbst.

 

Hier mein Neuer! Wie er sich 2018 auf meiner 11.000 km Tour in den Norden und durch das Baltikum bewährt? Warten wir es ab.

 

 

Für die Brille!