... sagte die Hausfrau

 

 

Hallo Liebling, bist du ausgeschlafen?

Ja danke, ich werde heute bestimmt wieder einen fürchterlichen Stress bekommen! Ich hoffe, du kommst nicht allzu pünktlich zum Mittagessen. 

Warum denn? Ich will heute laufen gehen! 

Sehr gute Idee! Warum Stress? 

Ja weißt du überhaupt, was ich alles zu tun habe? Ihr Männer glaubt ja tatsächlich, dass eine Hausfrau nur fernsieht, telefoniert und Kaffeekränzchen abhält. Mach ich denn überhaupt noch etwas richtig? Hast du schon einmal die geputzten Fenster bemerkt? Weißt du, was es bedeutet, täglich ein komplettes Menü auf den Tisch zu bringen? Die Kinder versorgen, das ganze Haus putzen, einkaufen, kochen, die Wäsche, zu allen freundlich sein und dabei noch immer relaxt und toll ausschauen! Das ist wohl alles nichts?! Kein Dank, kein Lob, kein liebes Wort! Liebst du mich überhaupt noch? Wenn ich das gewusst hätte! Meine Mutter hat ja immer gesagt...! Und jetzt muss ich auch noch laufen! Was glaubst du, für wen ich mich dreimal die Woche abschwitze?! Für mich sicher nicht! Ich liebe dich so wie du ausschaust. Man muss einen Menschen so lieben, wie er ist, aber du...! Alle Männer sind gleich! Wir Frauen sollen perfekter und attraktiver wirken. Unsere Arbeit sollte sich von alleine erledigen, damit wir stundenlang Zeit für euch haben. Wie soll ich denn das auf die Reihe bringen? Ich schmeiß einfach alles hin! „Schluchz“. Ich kann nicht mehr! 

 

Aber Liebling, du weißt, dass ich dich liebe! Du musst nicht jeden meiner Kommentare persönlich nehmen. Unbestritten bist du fleißig und lieb und machst deine Arbeit ausgezeichnet, aber dein Tagesablauf ist eben manchmal etwas unkoordiniert. 

Was du brauchst, ist ein vernünftiges Time - Management! 

Was Time - Management? Ich rackere den ganzen Tag, nehme mir dies und das vor und plötzlich kommt es ganz unerwartet völlig anders. Mal ruft die Maria an, mal kommt die Susi auf einen Kaffee. Ich treffe die Nachbarin im Garten. Soll ich so tun, als ob ich nicht hier wäre? Ein Arztbesuch, dann der Einkauf! Weißt du, wie lange ich da an der Kassa stehe? Du machst dir ja überhaupt keine realistischen Vorstellungen vom Alltag einer Hausfrau. Ach ja! Schöne Grüße von Gertrude! Sie ist aus dem Urlaub zurück. Es war wunderbar, sagt sie. Die Karibik würde auch mir einmal gefallen. Aber leider, bin ich ja Sklave unseres Hauses. Wir tranken noch schnell einen Kaffee, während sie mir alles erzählte. Auch die Geschichte mit ihrem Mann! Ja, sie hat ihm verziehen! Als wir auf die Uhr schauten, waren eineinhalb Stunden vergangen. Wahnsinn! Die Zeit fliegt gerade so dahin! 

Und plötzlich wird es mir richtig bewusst, wie gedrängt ich bin. Unseren Leistungsdruck kann sich ein Arbeiter gar nicht vorstellen. Die Kinder aus dem Kindergarten holen, Erledigungen für Onkel Alois, und ab in die Küche. Punkt 12 Uhr war das Essen fertig, und ich auch! Jetzt willst du mir erklären, dass ich mein – wie nennst du das – Zeitmanagement umstellen soll?! Das musst du mir erklären! 

Aber bitte so, dass ich es auch verstehe, denn du weißt ja, Hausfrauen sind intellektuell gesehen, eher einfach strukturierte Persönlichkeiten!

 

Ok! Erstens sind Hausfrauen nicht grundsätzlich dümmer als berufstätige Frauen. Menschen, die einer Tätigkeit mit normaler Arbeitszeit nachgehen, benützen aber meist Hilfen in ihrer Zeitplanung. Möglicherweise ein Vorgesetzter, der mit Nachdruck auf die Einhaltung eines definierten Leistungsniveaus drängt. Möglicherweise auch die Flut von Arbeiten, die gar keine andere Wahl als pausenloses Arbeiten bietet. Konkurrenz, Termindruck, das setzen von Prioritäten und so weiter.

Zu unterscheiden lernen, ob etwas DRINGEND ist, oder nicht. Sich klare Vorstellungen von seinem momentanen Arbeitsspektrum zu machen. Nein sagen können! Nein zu momentan unwichtigen Arbeiten. Nein zu Arbeiten, die nicht zu deinen klar definierten Aufgaben zählen oder von anderen ebenfalls erledigt werden können wie Kindern, Verwandten, Freundinnen oder mir. Nein auch zu Gesprächen, die im Moment nicht wichtig sind und dir somit nur Zeit stehlen. Obwohl ich sehr begrüße, dass du uns als Familie und dich selbst als Freundin anbietest, die Zeit hat für Menschen, die einen sogenannten „ruhigen Hafen“ suchen. Stelle aber deine klar definierten Aufträge über alles! Du darfst auf keinen Fall zulassen, dass andere Menschen deine Zeit managen. Ausnahmen bilden natürlich unvorhersehbare Situationen mit großer Dringlichkeit. Wem wäre dann gedient? Du kannst dich doch nicht teilen!

 

Auch mir ist es nicht möglich, während meiner Arbeitszeit eine einstündige Kaffeepause einzulegen. Mögen die Gespräche mit Freunden und Kollegen noch so interessant sein. 

Unweigerlich würden Zeit- und Arbeitsplan kollidieren, bestimmt bekäme ich auch Probleme mit meinem Vorgesetzten. Wie sollte ich mich rechtfertigen? 

Dass ich netten Besuch erhielt?! Dass ich mich mit Karl wieder verplaudert habe?! Dass ich die geplante Arbeit nur teilweise erledigen konnte, weil im Radio eine ungemein interessante Diskussion ausgestrahlt wurde?!

In seinen Augen wäre ich ganz sicher kein befriedigender Mitarbeiter. Er würde mir keine Verantwortung übertragen, um die vorgegebenen Ziele zu erreichen. In einer schwierigen Auftragslage nicht auf mich setzen. Durch mein Verhalten, hätte ich mich selbst disqualifiziert. 

Wie könnte ich Vertrauen erwarten? 

Und übrigens! Wie oft lobst du mich für meine geleistete Arbeit? Ich selbst ernte ja ebenfalls keine Anerkennung dafür, dass ich täglich in die Arbeit gehe, mich um ein möglichst freundliches Gesicht bemühe und nach einem harten Arbeitstag müde nach Hause komme. Du kannst meine Arbeit gar nicht loben, denn du siehst sie nicht! Ebenso wenig wie den monatlichen Gehaltsscheck! Ich erwarte kein Lob. 

Dass ich dieser Arbeit nachgehe, ist eine Konsequenz meiner Entscheidung zu Ehe und Familie. Meine berufliche Tätigkeit ist eine tägliche Liebeserklärung an dich und unsere Kinder. Ich erwarte überhaupt kein Lob von dir. Wenngleich es sicher motivierend und erfreulich wäre. Aber in diesem Punkt bin ich auch dir ein großer Schuldner. Verzeih mir bitte!  

 

Jetzt zum Sport! 

In erster Linie läufst du ja nicht für mich, sondern für dich. Deine Gesundheit, dein persönliches Wohlbefinden,  sind Faktoren, die Lebensqualität massgeblich mitbestimmen. Das ist der eine Punkt. Der andere aber ist ein ganz klares Bekenntnis zur Ästhetik. Jeder „normale“ Mann wird visuell beeinflusst. Ästhetik spielt im Leben des Mannes meist eine größere Rolle als bei Frauen. Ein Mann ist gleich besser aufgelegt wenn er ein „schönes“ Auto, ein „schönes“ Messer, ja, sogar ein „schönes“ Werkzeug sieht. Natürlich auch eine „schöne“ Frau. Sehr viele seriöse Studien bestätigen übrigens, dass Frauen in weit größerem Ausmaß durch Gefühle gesteuert werden als durch visuelle Reize. Frauen setzen Ästhetik aber gerne gezielt ein, um Menschen zu steuern. Wenngleich ich nun Gefahr laufe, ein Klischee zu bedienen, behaupte ich - und mit mir jeder ehrliche Mensch, den ich befragte: dass es leider vorkommt, dass sich Ehepartner früher oder später bezüglich ihres Erscheinungsbildes immer weniger disziplinieren. 

Das frühere - visuelle - Werben um eine Person oder Personengruppe weicht der hedonistischen Erwartung: „Die sollen mich so lieben wie ich bin!“  Ein Anspruch, der wie ein Angriff klingt! 

Böse aber, welcher jenem - ach so menschlichem - Wunsch nicht genügt. Kurzfristig mag das ja funktionieren, aber eben nur kurzfristig. Der Bumerang fliegt schon in der Kurve! Wenn ein ehrlicher und treuer  Mann die Frau nach Jahren optisch nicht mehr sehr anziehend findet, wird das üblicherweise keine große Auswirkung auf seine Treue, seine Achtung und das Vermögen, gemeinsame Ziele zu verfolgen, haben. Er wird sie für alle Vorzüge und Fähigkeiten lieben mit denen sie ihm, der Familie und dem gemeinsamen Lebenskonzept dient. Der Mann wird froh und zufrieden sein. 

Aber eines wird er nicht können: wie ein verliebter Gockel um sie herumgackern! Außer er schafft es, sich selbst zu belügen. Selbstverständlich gibt es angeblich auch heterosexuelle Männer, die auf die Ästhetik einer Frau nichts geben. Komisch dabei ist, dass mir in meiner bisher fünfundzwanzigjährigen Berufslaufbahn noch keiner begegnet ist, der dies bestätigt hat. Spricht das für sich? 

Leider muss man ja immer wieder zur Kenntnis nehmen, dass diese Situation ziemliche Probleme für eine Familie bringen kann. 

 

Der Mann kann seine Natur nicht völlig ausschalten und die Versuchung ist allgegenwärtig. „Mann“ könnte vom Gedanken mitgerissen werden, sich diskret ein knackiges, junges Druckabbaumittel zum momentanen Zeitwert zu mieten. Ohne Stress, ohne Verpflichtungen, ohne Leistungsdruck. Denn, im Gegensatz zur „Frau“, interessiert ihn nicht einmal der Name dieses Mietobjektes! Das Angebot auf diesem Sektor ist gewachsen! Selbst auf dem Land gibt es pro Bezirk, einige hundert Prostituierte. Für wen? Ach ja, für die Touristen und potentiellen Sexualverbrecher welche sonst alle Frauen überfallen und vergewaltigen würden?! 

Das ist die Realität! Ich behaupte: „ Es zeugt von großer Charakterstärke, Loyalität oder Gottesfurcht, wenn ein Mensch seine persönlichen Bedürfnisse zurückstellen kann. Im Dienste der Liebe und Treue zu seiner Familie. 

Das bezieht sich natürlich auf Mann und Frau! Bei allen individuellen Gegebenheiten und Voraussetzungen. 

 

Sport dient somit nicht nur dem Ziel der Verbesserung und Erhaltung der optischen Vorzüge, sondern auch, der physischen und psychischen Gesundheit. Er verringert somit das genetische Krisenpotential in der Ehe. 

Dieser und andere Vorteile machen das Laufen zum Spitzenreiter auf meiner Prioritätenskala. Wie siehst du das?

 

Du hast ja recht. Wenngleich ich noch nie so intensiv darüber nachgedacht habe. Schließlich lebt man in seinem Alltagstrott und entflieht ihm kaum, nicht einmal für so interessante Gedanken. Aber wenn du ein so begabter Time - Manager bist, kannst du mir ja für morgen einen optimalen Zeitplan erstellen. 

Ok! Was musst du morgen bewältigen? 

Da wäre einkaufen, kochen, Kindergarten, Gartenarbeit, Wohnungsputz und Laufen.

Alles klar! Um halb sieben Uhr machst du das Frühstück für dich und die Kinder. Da bin ich schon aus dem Haus. 

Um halb acht Uhr Küche aufräumen, um acht Uhr Kinder in den Kindergarten. Danach eine Stunde laufen. Anschließend, eine Stunde Körperpflege. Den Einkauf würde ich auf jeden zweiten Tag – abwechselnd mit dem Laufen – verlegen. Großeinkäufe einmal pro Woche. Elf Uhr Essen vorbereiten. Das Abholen der Kinder ließe sich mit einer Freundin abwechselnd organisieren. 

Zwölf Uhr essen. Dreizehn Uhr Küche und Wohnung aufräumen.  Fünfzehn Uhr Rasen mähen. Siebzehn Uhr Jause richten. 

Geht doch super!

Ja, das klingt gut. So mache ich das morgen. 

 

Der nächste Tag:

Ah, du hast schon deinen Sportdress an!

Ja, sobald die Kleinen im Kindergarten sind, starte ich. Wie weit willst du laufen? Ich denke zehn Kilometer. Eine Stunde steht zur Verfügung, von acht bis neun Uhr. Danach eine Stunde Körperpflege. Danke! Aber jetzt halte mich bitte nicht weiter auf, denn ich habe einen klaren Zeitplan, in dem du im Moment keine Priorität besitzt! Tschüß, schönen Arbeitstag! 

Dir auch Liebling, viel Spaß beim Laufen. Küss die Kinder für mich!

 

Acht Uhr, die Kinder sind im Kindergarten, letzte Vorbereitungen:

Das Telefon läutet. Hallo? Ach, du bist es Gerlinde! Schön,  dass du anrufst! Was ich mache? Ich wollte gerade laufen gehen. Ja, ich laufe jetzt auch! Das ist entspannend und tut mir auch körperlich sehr gut. 

Die Zeit? Überhaupt kein Problem! Mein Mann ist ein wahrer Zeitmanager. Er machte mir einen perfekten Tagesplan. Was? Ganz einfach! Klar definierte Ziele, Prioritäten als solche erkennen, öfter „nein“ sagen und am Zeitplan festhalten. 

So hat er mir heute zwei Stunden für Sport und Körperpflege eingeplant, unglaublich!

Wie? Na klar funktioniert das! Willst du mitmachen? 

Super, ich freue mich! Wo treffen wir uns? He, weißt du was? Ich ruf noch schnell die Ilse an! Die nimmt sich bestimmt Zeit. Die muss ja nicht auf Mittag kochen. Ich ruf dich dann zurück! Tschüß einstweilen. 

„Hallo Ilse! Du, die Gertrude hat mich gerade angerufen. Wir wollen zusammen laufen gehen! Willst du mitkommen? 

Ja, super! Wie lange brauchst du? Ich? Ich bin schon angezogen. Wir holen dich ab! Ok! Ich komme mit dem Auto, das geht schneller. Was ich anziehe? Ich habe da so eine wunderschöne rot - schwarze Laufkombi bekommen. Die gefällt dir sicher. Ja, beim Gruber! Neupreis, hundert Euro. Jetzt im Ausverkauf, sechzig! Du hast auch einen roten Laufdress? Vom Mayr! Hast wohl im Lotto gewonnen, was?! Aktivware? 

Ja super! Das klebt nicht so auf der Haut, toll! Die Gertrude? Ich glaube den gelben Einteiler und die rote Kappe. Ja, das sieht toll aus zu ihrer sonnengebräunten Haut. Ja, Karibik! Wahnsinn! Was ich? Das Stirnband! Das zerdrückt meine Frisur nicht so. Übrigens ist mir vorgestern aufgefallen, dass du eine neue Frisur hast! Sieht ja toll aus! Wo warst du? Ach so, bei Jonny?! Hallo, Hallo! Aber aufgepasst! Ja natürlich! Nur wegen dem tollen Schnitt. Toller Schnitt, guter Ausdruck! Hast du auch gehört, dass Jonny mit Maria... ?

Ja, aber ihr Mann sagte angeblich nur, Sie muss ihre eigenen Entscheidungen treffen! Ist doch eigenartig, oder? Ob der...? 

Was wollte ich eigentlich? Ach, wegen dem Laufen! 

Was, laufen?! Jetzt?! Wie spät...? Wahnsinn! Ich muss die Kinder vom Kindergarten...! Elf Uhr, ja spinn ich? Ich wollte doch Laufen gehen! Das geht sich doch niemals aus! Wie soll ich denn das alles unter einen Hut bringen? Auch noch kochen! Ja, typisch Mann, großartig planen und keine Ahnung! Der weiß doch nicht, was ich für einen Stress habe. Der glaubt, ich langweile mich den ganzen Tag. Seinen super Plan kann er sich einrahmen lassen! Du, ich muss jetzt! 

 

Wegen des Laufens müssen wir wieder einmal reden. Ja, ich ruf dich an! Jetzt muss ich noch der Gertrude absagen! Ich ruf sie schnell an. Ja, typisch Mann. Keine Ahnung, aber Pläne machen! Tschüß Ilse! Tschüß, bis zum nächsten Mal!