Nordtour 2018

 

9.500 km Tour quer durch Deutschland, Dänemark, rauf nach Nord Norwegen. Danach quer durch Schweden rüber nach Kirkenes an der Baikalsee. 5 Km. nördlich von Murmansk. Dann runter nach Helsinki und im Slalom durch das Baltikum. Dann über Polen und Tschechien wieder nach hause.

Begleitet von meinem kleinen Bruder (50) wollen wir das von Mitte Juni bis Mitte Juli 2018 schaffen.

 

Mein optimistischer Plan beinhaltete etwa 22 Fahretappen zu je 500 Km. und 8 Ruhetage. Tatsächlich schafften wir die Runde in 21 Tagen. Und das, relativ stresslos. 

Darum quälte ich mich auch schon zwei mal wöchentlich im Fitnescenter.

Mein Trainer entwickelte meinen eigenen, speziell auf die Motorradfahrer - Anforderungen angepassten Trainingsplan.

 

Mit der Routenplanung war ich schnell fertig, Unterkünfte werden wir spontan suchen. Die vernünftige Ernährung war auch noch intensives Gesprächsthema.

30 Dosen PUNTIGAMER "Garagenbier" müssen erst mal untergebracht werden. Die "Plörre" da oben ist angeblich ja untrinkbar!

 

Für den besseren Witterungsschutz habe ich mir eine einstellbare Scheibenerhöhung aufgebaut.

Dazu noch zur Reichweitensteigerung 2 Stück 2,5L-Kanister. Damit habe ich bequem 550 Km. Reichweite pro Tankstop. Dazu noch eine wetterfeste Handyhalterung um nichts zu verpassen und um Musik zu hören auf möglicherweise langweiligen Verbindungsetappen.

 

METZELER Karoo Street der soll mich über die Runde tragen. 

 

Dazu gab es zwar noch keine Reverenzen. Die kann ich aber gerne nach der Tour als Tester liefern.

 

Dieser Reifen muss sehr lange Asphaltstrecken gut weg stecken können. Durch seine M&S Ausführung soll er auch auf kaltem, nassem Asphalt würdig bremsen und in weichem Untergrund sehr guten Grip bieten. Und damit rechnete ich im Baltischen Hinterland.

 

Viele, von LKW's, Landwirtschaftsfahrzeugen und Panzern malträtierten Erdstrassen welche nach Regen ziemlich schlüpfrig werden können.

 

Ich war schon gespannt auf die Laufleistung!

Also, METZELER rechnete damit, dass ich bei meiner schonenden, harmonischen Fahrweise problemlos über 12.000 Km. kommen sollte. Das würde perfekt ausreichen für die Tour. Reifendruck: V 2,5 H 2,9 Bar. 

 

 

Dann ist auch meine würdige Bekleidung geliefert worden.

Ich wollte ja auch fesch sein auf unserer Tour. Das feine YAMAHA Blau harmoniert ausgezeichnet mit meinem friedhofsblonden Haar. 

 

Mein Trainer Klaus von Well & Fit in Kundl (http://www.wellfit-lebxund.at), hat mir ein perfektes Fitnessprogramm zusammengestellt. Es zielt geradewegs auf die Belastungen beim Motorradfahren. Arsch-, Hüft- und Rückenstabilität, Schultern, Gewichtabnahme, natürlich Herz Kreislauf Training, und Muskelaufbau. Tatsächlich habe ich in 3 Monaten enorm an Fitnes gewonnen, Muskel aufgebaut und 5 Kg. abgenommen. Ohne ein einziges Mal Muskelkater oder Schwächeanfall. Super kompetentes Programm Klaus. Danke!

Wöchentlich zwei Einheiten zu etwa 3 Stunden reichten mir perfekt. Über eine Stunde davon saß ich auf dem Radtrainer, hörte geile Musik und freute mich darüber, mit meinen Facebookfreunden zu schreiben. War doch super genutzt, die Zeit! 

 

"Alter, meinen rasanten Muskelaufbau darf ich nicht übersehen!" Da musste ich echt vorsichtig sein! "Nicht, dass ich vor lauter Eisen fressen nicht mehr auf meine zierliche XT passe!" Aber Klaus hatte da noch ein wenig Optimierungspotential entdeckt! 

Bald wurde der backfrische METZELER KAROO Street montiert.

 

Ich war schon gespannt wie er sich macht. 

Soll er mich doch problemlos über 10.000 Km Autobahn, Schotterstrassen und Erdtracks tragen. 

Das ist genau die Referenzstrecke für den brandneuen Reifen.

 

Zumindest sieht er schon mal sehr ernsthaft aus. 

Der Reifen bietet wohl ausreichend Negativprofil um auch mal im Dreck und Schotter des Nordens und im Baltikum Grip zu finden. 

 

Auf Asphalt fühlt er sich richtig stabil und vertrauenserweckend an. Ganz anders als mein bisheriger Favorit TOURANCE Next fällt er in Kurven, aber echt griffig. Er summt ruhig vor sich hin und bremst hart. 

Ich probierte ihn auf einer Timmelsjochtour zum Gewöhnen und Testen, vor meiner Nord-Tour.

Zweiradzentrum GINZINGER Kundl hat zur Vorbereitung ein perfektes 30.000er Service durchgeführt. Besonderes Augenmerk legte das Team zusätzlich noch auf alle Teile und Verbindungen die sich auf den Waschbrett Tracks im Baltischen Hinterland losrütteln könnten. Seit 2009 fühle ich mich hier mit bisher drei Motorrädern perfekt betreut. Danke an den Filialleiter Mirko, den Technikexperten Benny und das Team. 

www.ginzinger.at

So Motorradfreunde! das war der letzte große Test vor der Tour. Eine 350 Km Runde über Kühtai, Timmelsjoch (2500m) und den Jaufenpass. Das Wetter war traumhaft und die, bis zu 6m hohen, Schneewände strahlten mir Erfrischung entgegen. 

 

Alles war perfekt! Alles gut eingestellt und in Ordnung. Der METZELER KAROO Street hat mich echt überzeugt. Das wird auch nach der Tour mein Standardreifen. Unglaublich wie sich der mit dem Strassenbelag verzahnt.

Egal ob trocken oder nass. Ich musste niemals Rücksicht auf die Strassenbeschaffenheit nehmen. Natürlich fuhr ich kein Rennen und bewegte mich eher touristisch, kenne aber auch den Unterschied zu anderen, vorher verwendeten Gummi's. Ich bin ehrlich begeistert!

Auch der Spritverbrauch ändert sich nicht im Vergleich mit dem TOURANCE Next. Da hatte ich eher Bedenken, da sich das Moped, wenn man es händisch rangiert, doch etwas schwerer anfühlt. Man meint fast, der Reifen klebt am Boden. Dabei bewegt er sich in Fahrt leichtfüßig und kippt fast von selbst in die Schräglage. Ein kleiner Lenkimpuls genügt.

Spritverbrauch in touristischem Tempo bei anteilsweise 1/4 Autobahn, 2/4 normale Gemeindestrassen und 1/4 Passstrassen mit engen Kehren 4,8 L/100 Km. Damit bin ich sehr zufrieden. 

Einzig gewöhnungsbedürftig ist das Blockprofil Singen welches zwischen 90- und 100 Km/h recht stimmgewaltig das Lied der strassenbaulichen Freiheit und Weltumrundung anstimmt. Klingt aber auch nach Abenteuerlust und Selbstbewusstsein und darum klingt es gut! 

War ich erleichtert, Leute!

 

Jetzt war mein Garagenbier autonom gesichert. Zumindest bis ins Baltikum.

Da können sie ihre Plörre selber trinken die Nordmänner. 

 

Und auch für die Dicke Geisha hatte ich Trinken vom Feinsten gebunkert. ULTIMATE 100 Okt.

 

Das hätte ich aber wohl meinem Bruder mit seiner älteren Dame (HONDA Transalp) überlassen. Der hat ja auch den kleineren Tank. 

 

Leider gab es auch unangenehme Vorbereitungserlebnisse. 

 

Schon im Herbst 2017 starteten Manfred und ich eine Hardcore-Tour als Test unserer Ausrüstung.

 

Wir warteten ein Regenwochenende ab und fuhren unter Bedingungen welche wir in Norwegen erwarten können über das Timmelsjoch (2500m 6°C, Regen, Nebel mit etwa 10m Sicht), über den Umbrailpass auf das Stilfserjoch (2700m 6°C, Regen) und letztlich über den Reschenpass, die Pillerhöhe und auf der Autobahn wieder nach hause (10 - 12 Grad, Regen). 

 

Fazit: Anzug (TOURATECH Companjero), Stiefel (DAYTONA) und Handschuhe (HELD u. DAINESE) hielten der Belastung problemlos Stand, mein Helm, HJC Rpha max Evo leider nicht! Schon auf dem nebeligen Timmelsjoch musste ich das Visier bei Regenfahrt öffnen, da sich zwischen dem Pinlock und dem Visier Wasser sammelte und das Pinlock, welches mich ja vor dem Beschlagen des Visieres schützen soll, lief an! 

Kannst du dir vorstellen wie gefährlich das ist?

Ich bin Brillenträger und muss mit offenem Visier und nasser Brille im Regen fahren damit ich überhaupt etwas sehe! 

Sofort nach der Tour schickte mein Händler den erst eine Saison verwendeten Helm zu HJC und dort wurde er nach deren Angaben, perfekt eingestellt, das Pinlock und das Visier erneuert und der Mechanismus justiert.

 

Genau so bekam ich ihn wieder und war persönlich dabei als er bei meinem Händler ausgepackt wurde. 

 

Bei meiner ersten Frühlingstour, wie man auf den Fotos erkennt, bei strahlendem Sonnenwetter und 10°C ging es nach Bayern. Schon beim Start musste ich das Visier öffnen da meine optische Brille ständig anlief!

Sie wurde offensichtlich zu wenig belüftet. Auch höre ich ständig ein leises Klappern und Tackern im Stirnbereich. Egal ob mit geschlossenem oder geöffnetem Sonnenvisier. 

 

Nach etwa 20 Km kroch dann wieder Kondenswasser zwischen Pinlock und Visier von der Seite bis in das Sichtfeld. Wie gesagt, bei strahlendem Sonnenschein. Immer weiter kroch der Dunstfilm nach vor und wieder musste ich immer wieder mal mit offenem Visier fahren, bis sich das lästige Wasser trocknen ließ.

Das wiederholte sich bis zu einer Aussentemperatur von 20°C. Danach war es vorbei. Allerdings nicht das Beschlagen meiner optischen Brille! Selbst bei 20°C Aussentemperatur und Sonne beschlug sie wenn ich nach einer Pause wieder Starten wollte. Selbst das Stehen an einer roten Ampel reichte dafür aus. 

 

Sofort schrieben wir an HJC und diese Antworteten stur und mit Standardtexten. "Da werden die Verkäuferinnen meines Händlers wohl gepfuscht haben, bla, bla ...). Tatsächlich hatten sie den Helm nach dem professionellen Service von HJC vor meinen Augen ausgepackt und ihn an mich übergeben. 

Darauf schrieb ich selbst an HJC und stellte das klar.

 

Dieser Helm wird weder seinem Anspruch, Premiumhelm für ernsthafte Tourenfahrer zu sein und schon gar nicht seinem Preis, gerecht. Auch mein Händler schrieb ein weiteres Mal an HJC und machte ihnen klar, dass ich mit diesem Helm in der derzeitigen Kondition, nicht nach Norwegen fahren kann. Das ist mir einfach zu gefährlich da ich da oben mit tagelangen Regenfahrten um die 10°C Aussentemperatur rechnen muss!

 

Tatsächlich wurden wir einfach ignoriert und bekamen beide keine Antwort von HJC! 

 

Ich selbst würde meinen Helm, HJC Rpha max Evo, nach meiner persönlichen Erfahrung, als überteuerten Schönwetterhelm bezeichnen. Den Kundendienst und den Umgang von HJC mit meinem Händler und mir allerdings, als oberflächlich und ignorant! 

So, mein Trainer Klaus war offensichtlich begeistert!

Mein Trainingsfortschritt war selbst für ihn als Profi überraschend und so stand der Tour, zumindest körperlich, nichts mehr im Wege. Der Plan war, Gewichtsreduktion, Stärkung der Hals und Schulterpartie, der Rumpf und Arschmuskulatur und Training des Herzkreislauf Systemes. 

Ich kann sagen: "Alles bestens gelungen".

Tatsächlich musste ich, wie das Foto beweist, selbst nach einer Stunde Spinning bei 700 Kalorien Verbrauch, meine warme YAMAHA Jacke anziehen weil es mich etwas fröstelte. 

 

Danke Klaus, für die perfekte Vorbereitung, den individuellen Trainingsplan und die kompetente, familiäre  Betreuung im Team "Well & fit leb x &" in Kundl, Tirol.

 

 

Ok, dann kam noch mein Mentaltrainer vorbei und wir machten eine abschließende, ernsthafte Projektbesprechung. Unterstützt von unseren Frauen die auch wertvolle Tip's geben konnten. Natürlich ist professionelle Vorbereitung sehr wichtig! 

So, dann hatte ich mich entschieden!

 

Lange hab ich gewartet und meinen HJC endlich wieder zurück bekommen. Wieder ein neues Visier, wieder ein neues Pinlock, wieder top eingestellt und wieder zurück in den Karton und an HJC. 

 

Beim Blick auf das Visier sah ich, dass auf beiden Seiten, auf Schläfenhöhe, angelaufene Stellen, wie Luftblasen oder was weiß ich. Das sah ich noch nie. Wenn man von oben auf das Visier sah, konnte man einen Spalt zwischen Visier und Pinlock erkennen.

 

Ehrlich, mit dem Helm trau ich mich einfach nicht in den hohen Norden. 

 

Meinen neuen Helm könnt ihr hier sehen. SCHUBERTH C3 pro zum Aktionspreis von EUR 399,- 

Noch kurz designmäßig aufgefrischt, fertig!

Jetzt bin ich optimistisch gespannt ob der Helm des Deutschen Prämiumherstellers meine Erwartungen in der Witterung des hohen Norden's erfüllt. 

So, mehr ist mehr!

Alles war fertig und gepackt. Jetzt freute ich mich schon auf die Abfahrt. Erstes Etappenziel, zu ganz lieben Freunden nach Bielefeld. Auf der Anfahrt wollte ich Manfred treffen. Irgendwo, nördlich von Nürnberg. 

 

Soweit bis hier, fertig Schreiben will ich meinen Bericht dann nach der Mopedsaison. 

 

Salve, Mario