Nordtour 2018

 

9.500 km Tour quer durch Deutschland, Dänemark, rauf nach Nord Norwegen. Danach quer durch Schweden rüber nach Kirkenes an der Baikalsee. 5 Km. nördlich von Murmansk. Dann runter nach Helsinki und im Slalom durch das Baltikum. Dann über Polen und Tschechien wieder nach hause.

Begleitet von meinem kleinen Bruder (50) wollen wir das von Mitte Juni bis Mitte Juli 2018 schaffen.

 

Mein optimistischer Plan beinhaltete etwa 22 Fahretappen zu je 500 Km. und 8 Ruhetage. Tatsächlich schafften wir die Runde in 21 Tagen. Und das, relativ stresslos. 

Darum quälte ich mich auch schon zwei mal wöchentlich im Fitnescenter.

Mein Trainer entwickelte meinen eigenen, speziell auf die Motorradfahrer - Anforderungen angepassten Trainingsplan.

 

Mit der Routenplanung war ich schnell fertig, Unterkünfte werden wir spontan suchen. Die vernünftige Ernährung war auch noch intensives Gesprächsthema.

30 Dosen PUNTIGAMER "Garagenbier" müssen erst mal untergebracht werden. Die "Plörre" da oben ist angeblich ja untrinkbar!

 

Für den besseren Witterungsschutz habe ich mir eine einstellbare Scheibenerhöhung aufgebaut.

Dazu noch zur Reichweitensteigerung 2 Stück 2,5L-Kanister. Damit habe ich bequem 550 Km. Reichweite pro Tankstop. Dazu noch eine wetterfeste Handyhalterung um nichts zu verpassen und um Musik zu hören auf möglicherweise langweiligen Verbindungsetappen.

 

METZELER Karoo Street der soll mich über die Runde tragen. 

 

Dazu gab es zwar noch keine Reverenzen. Die kann ich aber gerne nach der Tour als Tester liefern.

 

Dieser Reifen muss sehr lange Asphaltstrecken gut weg stecken können. Durch seine M&S Ausführung soll er auch auf kaltem, nassem Asphalt würdig bremsen und in weichem Untergrund sehr guten Grip bieten. Und damit rechnete ich im Baltischen Hinterland.

 

Viele, von LKW's, Landwirtschaftsfahrzeugen und Panzern malträtierten Erdstrassen welche nach Regen ziemlich schlüpfrig werden können.

 

Ich war schon gespannt auf die Laufleistung!

Also, METZELER rechnete damit, dass ich bei meiner schonenden, harmonischen Fahrweise problemlos über 12.000 Km. kommen sollte. Das würde perfekt ausreichen für die Tour. Reifendruck: V 2,5 H 2,9 Bar. 

 

 

Dann ist auch meine würdige Bekleidung geliefert worden.

Ich wollte ja auch fesch sein auf unserer Tour. Das feine YAMAHA Blau harmoniert ausgezeichnet mit meinem friedhofsblonden Haar. 

 

Mein Trainer Klaus von Well & Fit in Kundl (http://www.wellfit-lebxund.at), hat mir ein perfektes Fitnessprogramm zusammengestellt. Es zielt geradewegs auf die Belastungen beim Motorradfahren. Arsch-, Hüft- und Rückenstabilität, Schultern, Gewichtabnahme, natürlich Herz Kreislauf Training, und Muskelaufbau. Tatsächlich habe ich in 3 Monaten enorm an Fitnes gewonnen, Muskel aufgebaut und 5 Kg. abgenommen. Ohne ein einziges Mal Muskelkater oder Schwächeanfall. Super kompetentes Programm Klaus. Danke!

Wöchentlich zwei Einheiten zu etwa 3 Stunden reichten mir perfekt. Über eine Stunde davon saß ich auf dem Radtrainer, hörte geile Musik und freute mich darüber, mit meinen Facebookfreunden zu schreiben. War doch super genutzt, die Zeit! 

 

"Alter, meinen rasanten Muskelaufbau darf ich nicht übersehen!" Da musste ich echt vorsichtig sein! "Nicht, dass ich vor lauter Eisen fressen nicht mehr auf meine zierliche XT passe!" Aber Klaus hatte da noch ein wenig Optimierungspotential entdeckt! 

Bald wurde der backfrische METZELER KAROO Street montiert.

 

Ich war schon gespannt wie er sich macht. 

Soll er mich doch problemlos über 10.000 Km Autobahn, Schotterstrassen und Erdtracks tragen. 

Das ist genau die Referenzstrecke für den brandneuen Reifen.

 

Zumindest sieht er schon mal sehr ernsthaft aus. 

Der Reifen bietet wohl ausreichend Negativprofil um auch mal im Dreck und Schotter des Nordens und im Baltikum Grip zu finden. 

 

Auf Asphalt fühlt er sich richtig stabil und vertrauenserweckend an. Ganz anders als mein bisheriger Favorit TOURANCE Next fällt er in Kurven, aber echt griffig. Er summt ruhig vor sich hin und bremst hart. 

Ich probierte ihn auf einer Timmelsjochtour zum Gewöhnen und Testen, vor meiner Nord-Tour.

Zweiradzentrum GINZINGER Kundl hat zur Vorbereitung ein perfektes 30.000er Service durchgeführt. Besonderes Augenmerk legte das Team zusätzlich noch auf alle Teile und Verbindungen die sich auf den Waschbrett Tracks im Baltischen Hinterland losrütteln könnten. Seit 2009 fühle ich mich hier mit bisher drei Motorrädern perfekt betreut. Danke an den Filialleiter Mirko, den Technikexperten Benny und das Team. 

www.ginzinger.at

So Motorradfreunde! das war der letzte große Test vor der Tour. Eine 350 Km Runde über Kühtai, Timmelsjoch (2500m) und den Jaufenpass. Das Wetter war traumhaft und die, bis zu 6m hohen, Schneewände strahlten mir Erfrischung entgegen. 

 

Alles war perfekt! Alles gut eingestellt und in Ordnung. Der METZELER KAROO Street hat mich echt überzeugt. Das wird auch nach der Tour mein Standardreifen. Unglaublich wie sich der mit dem Strassenbelag verzahnt.

Egal ob trocken oder nass. Ich musste niemals Rücksicht auf die Strassenbeschaffenheit nehmen. Natürlich fuhr ich kein Rennen und bewegte mich eher touristisch, kenne aber auch den Unterschied zu anderen, vorher verwendeten Gummi's. Ich bin ehrlich begeistert!

Auch der Spritverbrauch ändert sich nicht im Vergleich mit dem TOURANCE Next. Da hatte ich eher Bedenken, da sich das Moped, wenn man es händisch rangiert, doch etwas schwerer anfühlt. Man meint fast, der Reifen klebt am Boden. Dabei bewegt er sich in Fahrt leichtfüßig und kippt fast von selbst in die Schräglage. Ein kleiner Lenkimpuls genügt.

Spritverbrauch in touristischem Tempo bei anteilsweise 1/4 Autobahn, 2/4 normale Gemeindestrassen und 1/4 Passstrassen mit engen Kehren 4,8 L/100 Km. Damit bin ich sehr zufrieden. 

Einzig gewöhnungsbedürftig ist das Blockprofil Singen welches zwischen 90- und 100 Km/h recht stimmgewaltig das Lied der strassenbaulichen Freiheit und Weltumrundung anstimmt. Klingt aber auch nach Abenteuerlust und Selbstbewusstsein und darum klingt es gut! 

War ich erleichtert, Leute!

 

Jetzt war mein Garagenbier autonom gesichert. Zumindest bis ins Baltikum.

Da können sie ihre Plörre selber trinken die Nordmänner. 

 

Und auch für die Dicke Geisha hatte ich Trinken vom Feinsten gebunkert. ULTIMATE 100 Okt.

 

Das hätte ich aber wohl meinem Bruder mit seiner älteren Dame (HONDA Transalp) überlassen. Der hat ja auch den kleineren Tank. 

 

Leider gab es auch unangenehme Vorbereitungserlebnisse. 

 

Schon im Herbst 2017 starteten Manfred und ich eine Hardcore-Tour als Test unserer Ausrüstung.

 

Wir warteten ein Regenwochenende ab und fuhren unter Bedingungen welche wir in Norwegen erwarten können über das Timmelsjoch (2500m 6°C, Regen, Nebel mit etwa 10m Sicht), über den Umbrailpass auf das Stilfserjoch (2700m 6°C, Regen) und letztlich über den Reschenpass, die Pillerhöhe und auf der Autobahn wieder nach hause (10 - 12 Grad, Regen). 

 

Fazit: Anzug (TOURATECH Companjero), Stiefel (DAYTONA) und Handschuhe (HELD u. DAINESE) hielten der Belastung problemlos Stand, mein Helm, HJC Rpha max Evo leider nicht! Schon auf dem nebeligen Timmelsjoch musste ich das Visier bei Regenfahrt öffnen, da sich zwischen dem Pinlock und dem Visier Wasser sammelte und das Pinlock, welches mich ja vor dem Beschlagen des Visieres schützen soll, lief an! 

Kannst du dir vorstellen wie gefährlich das ist?

Ich bin Brillenträger und muss mit offenem Visier und nasser Brille im Regen fahren damit ich überhaupt etwas sehe! 

Sofort nach der Tour schickte mein Händler den erst eine Saison verwendeten Helm zu HJC und dort wurde er nach deren Angaben, perfekt eingestellt, das Pinlock und das Visier erneuert und der Mechanismus justiert.

 

Genau so bekam ich ihn wieder und war persönlich dabei als er bei meinem Händler ausgepackt wurde. 

 

Bei meiner ersten Frühlingstour, wie man auf den Fotos erkennt, bei strahlendem Sonnenwetter und 10°C ging es nach Bayern. Schon beim Start musste ich das Visier öffnen da meine optische Brille ständig anlief!

Sie wurde offensichtlich zu wenig belüftet. Auch höre ich ständig ein leises Klappern und Tackern im Stirnbereich. Egal ob mit geschlossenem oder geöffnetem Sonnenvisier. 

 

Nach etwa 20 Km kroch dann wieder Kondenswasser zwischen Pinlock und Visier von der Seite bis in das Sichtfeld. Wie gesagt, bei strahlendem Sonnenschein. Immer weiter kroch der Dunstfilm nach vor und wieder musste ich immer wieder mal mit offenem Visier fahren, bis sich das lästige Wasser trocknen ließ.

Das wiederholte sich bis zu einer Aussentemperatur von 20°C. Danach war es vorbei. Allerdings nicht das Beschlagen meiner optischen Brille! Selbst bei 20°C Aussentemperatur und Sonne beschlug sie wenn ich nach einer Pause wieder Starten wollte. Selbst das Stehen an einer roten Ampel reichte dafür aus. 

 

Sofort schrieben wir an HJC und diese Antworteten stur und mit Standardtexten. "Da werden die Verkäuferinnen meines Händlers wohl gepfuscht haben, bla, bla ...). Tatsächlich hatten sie den Helm nach dem professionellen Service von HJC vor meinen Augen ausgepackt und ihn an mich übergeben. 

Darauf schrieb ich selbst an HJC und stellte das klar.

 

Dieser Helm wird weder seinem Anspruch, Premiumhelm für ernsthafte Tourenfahrer zu sein und schon gar nicht seinem Preis, gerecht. Auch mein Händler schrieb ein weiteres Mal an HJC und machte ihnen klar, dass ich mit diesem Helm in der derzeitigen Kondition, nicht nach Norwegen fahren kann. Das ist mir einfach zu gefährlich da ich da oben mit tagelangen Regenfahrten um die 10°C Aussentemperatur rechnen muss!

 

Tatsächlich wurden wir einfach ignoriert und bekamen beide keine Antwort von HJC! 

 

Ich selbst würde meinen Helm, HJC Rpha max Evo, nach meiner persönlichen Erfahrung, als überteuerten Schönwetterhelm bezeichnen. Den Kundendienst und den Umgang von HJC mit meinem Händler und mir allerdings, als oberflächlich und ignorant! 

So, mein Trainer Klaus war offensichtlich begeistert!

Mein Trainingsfortschritt war selbst für ihn als Profi überraschend und so stand der Tour, zumindest körperlich, nichts mehr im Wege. Der Plan war, Gewichtsreduktion, Stärkung der Hals und Schulterpartie, der Rumpf und Arschmuskulatur und Training des Herzkreislauf Systemes. 

Ich kann sagen: "Alles bestens gelungen".

Tatsächlich musste ich, wie das Foto beweist, selbst nach einer Stunde Spinning bei 700 Kalorien Verbrauch, meine warme YAMAHA Jacke anziehen weil es mich etwas fröstelte. 

 

Danke Klaus, für die perfekte Vorbereitung, den individuellen Trainingsplan und die kompetente, familiäre  Betreuung im Team "Well & fit leb x &" in Kundl, Tirol.

 

 

Ok, dann kam noch mein Mentaltrainer vorbei und wir machten eine abschließende, ernsthafte Projektbesprechung. Unterstützt von unseren Frauen die auch wertvolle Tip's geben konnten. Natürlich ist professionelle Vorbereitung sehr wichtig! 

So, dann hatte ich mich entschieden!

 

Lange hab ich gewartet und meinen HJC endlich wieder zurück bekommen. Wieder ein neues Visier, wieder ein neues Pinlock, wieder top eingestellt und wieder zurück in den Karton und an HJC. 

 

Beim Blick auf das Visier sah ich, dass auf beiden Seiten, auf Schläfenhöhe, angelaufene Stellen, wie Luftblasen oder was weiß ich. Das sah ich noch nie. Wenn man von oben auf das Visier sah, konnte man einen Spalt zwischen Visier und Pinlock erkennen.

 

Ehrlich, mit dem Helm trau ich mich einfach nicht in den hohen Norden. 

 

Meinen neuen Helm könnt ihr hier sehen. SCHUBERTH C3 pro zum Aktionspreis von EUR 399,- 

Noch kurz designmäßig aufgefrischt, fertig!

Jetzt bin ich optimistisch gespannt ob der Helm des Deutschen Prämiumherstellers meine Erwartungen in der Witterung des hohen Norden's erfüllt. 

So, mehr ist mehr!

Alles war fertig und gepackt. Jetzt freute ich mich schon auf die Abfahrt. Erstes Etappenziel, zu ganz lieben Freunden nach Bielefeld. Auf der Anfahrt wollte ich Manfred treffen. Irgendwo, nördlich von Nürnberg. 

 

Natürlich konnte ich nicht lang schlafen. Eigendlich wollte ich gemütlich um 09:00h auf die Autobahn auffahren um zeitgleich mit Manfred am geplanten Zwischenziel anzukommen. Er startete schon am Vortag in St. Pölten und übernachtete irgendwo in Bayern. 

Als ich um 05:00h vom Reisefieber gebeutelt im Bett lag, war an Schlaf nicht mehr zu denken.

Eva "zwang" mich noch zu einem gemeinsamen Frühstück und schon saß ich auf meiner Dicken Geisha und inhalierte die kühle Morgenluft und die Kurven vor meinem Vorderrad. Ich hatte genügend Zeit, auf die Autobahn zu verzichten. Quer durch Bayern, an München vorbei durch Ingolstadt, führte mich die schöne Strecke. 

Pünktlich fanden wir uns beim Treffpunkt.

Gerade als ich meine Dicke abstellte, rollte Manfred über die Kreuzung auf den Parkplatz. Wir freuten uns sehr, dass nun aus der Planung, aus den vielen Gesprächen und Überlegungen, eine fühlbare gemeinsame Tour wurde. 

 

Nach einer kurzen Stärkung und gegenseitigem bewundern unserer tourtauglich präparierten Mopeds saßen wir auf und rollten flott zum ersten Problem!

 

Manfred's reife Transe hatte keine Lust mehr auf mein geplantes Autobahntempo. Ich wollte uns nämlich spätestens um 17:00h auf den Hof meiner lieben Freunde, Jakob und Anna stellen. Sie luden uns ein, die erste Etappe in ihrem schönen Haus zu beenden und uns für die lange Tour zu stärken. Das freute uns sehr und darum fand ich 130 Km/h Autobahntempo für angemessen. 

 

Nicht aber Manfreds TransAlp! Die wollte einfach ihren Kopf durchsetzen und immer langsamer werden und aus meinem Rückspiegel entschwinden. 

Bald fanden wir uns fragend in einem gesicherten Baustellenbereich, direkt auf der rechten Fahrspur der Autobahn und Manfred erklärte mir, dass sein altes Mädchen pardout kein Gas annehmen will. Sobald er Leistung verlangte, wurde sie zickig langsamer und wollte nicht schneller als 70 Km/h. Scheiße! Das fängt ja schon richtig gut an! 

Schutzbrief sei Dank, konnte Manfred schnell Kontakt mit dem ÖAMTC aufnehmen. Dieser verwies ihn dann auf den, für unseren misslichen Pannenplatz zuständigen ADAC. Ein fataler Fehler!

Wäre denn der ÖAMTC quer durch Österreich gefahren hätte er etwa in der halben Zeit seine gelbe, engelhafte Hilfe anbieten können als sein deutscher Partnerclub. 

Der ADAC hingegen versicherte uns, dass er schon mal 50 Minuten brauchen würde. Er verriet aber nicht ab welcher Stunde er zu zählen beginnen wolle. 

Nach 1,5 Stunden waren wir noch gut gelaunt. 

Wir erkannten freudig, dass wir noch nie so ökonomisch gereist waren. Das hier ist unser klarer Spritsparrekord! 

Ha, ha ...

 

Nach zwei Stunden wurde unser Gelächter schon gedämfter. 

Weißt du wie ätzend es ist, auf einer gesperrten Fahrspur zu stehen und wie irr in die Ferne zu spähen um endlich ein gelbes ADAC Auto zu erkennen. 

Nach 2,5 Stunden rief Manfred wieder an und erfuhr, dass sie wohl auf einer falschen Autobahn suchten. 

"Wo wir denn eigentlich stehen würden?"

 

Natürlich hatte selbst mein LTE-Netz Handy mit sauteurer Europaflatrate keinen Datenempfang, also konnte auch GOOGLE nict wirklich helfen. Ausserdehm war ich angefressen!

Das kenne ich ja von Deutschland! Aber wenn du es dann wirklich brauchst, könntest du ihnen in ihre luxuriöse  Telecom-Eingangshalle kotzen! 

Tatsache! Nirgends habe ich ein schlechteres Datennetz als in Deutschland, etwas ausserhalb der Ballungszentren. 

Doch! Im albanischen Hinterland war es vergleichbar schlecht.

Mittlerweilen waren drei Stunden vergangen und kein ADAC-Engelchen flatterte zur Hilfe. 

Verdammt, was hab ich mir da angetan? Wenn Manfred's betagte TransAlp schon in der Einführungsrunde zickt ...

 

Um uns von uns selbst abzulenken, suchten wir selbst nach dem Fehler. Logik hilft ja offt und wenn man - wie bei meiner dicken Geisha - nicht schon generell mit dem Notebook im Arm auf Fehlersuche gehen muss, reicht auch schon mal der gute alte Hausverstand. 

Was will ein Verbrennungsmotor um so richtig geil verbrennen zu können? Brennstoff, passt! Zündung, passt! Sauerstoff? Haben wir genug Luft? Neien!

Der gemeine Unterdruckvergaser fühlt sich naturgemäß mit Unterdruck am wohlsten. Das verrät ja schon sein Name. Natürlich war es jetzt auch problemlos an der Zeit, den Marderbiss zu finden. Direkt beim Anschluss des Vergasers sah man den Schaden. Jetzt kam mein allzeitbereites Messer zum Einsatz und der Schaden war Geschichte. Nicht aber die Folgen.

"Bitte ruf den ADAC an, dass sie nicht mehr kommen müssen. Die sind dir dankbar, glaub mir", war meine Bitte an Manfred. Die er höflich ignorierte.

Aus Mitgefühl zu den braven Gelbwaglern. "Jetzt hab ich sie schon hergebeten und die suchen mich brav und ...". "Bitte Manfred, hauen wir einfach ab hier", flehte ich ihn weinerlich, hungrig, durstig und genervt an. "Wir brauchen die nicht mehr, glaub mir". "Ja aber, wenn das doch nicht der Fehler war und ich dann ausserhalb der schützenden Baustelle ...?" "Nein Manfred, das war der Fehler, dein Moped läuft wieder wie eine Eins. Glaub mir bitte!"

 

Jakob rief mich bereits zum zweiten Mal an und erkundigte sich nach unserem Verbleib. Sie machten sich schon Sorgen um uns. Als ich ihm berichtete, dass wir nicht verunglückt oder in Gefahr seien, war auch er beruhigt und versicherte uns, dass unsere Verspätung kein Problem sei. 

Einzig, der Unterdruckschlauch war durch das Kürzen etwas gespannt und wollte bei Gelegenheit durch einen längeren ersetzt werden. Ich wusste, dass Jakob das Problem in etwa der gleichen Zeit aus der Welt schafft, wie Manfred zum Abdrocknen nach der Dusche brauchen wird. Aber auch dieses Argument drang nicht in Manfreds Höflichkeitsmodus vor. "Die haben ganz sicher auch den passenden Schlauch in passender Länge dabei. Klar, Meterware. Das wäre ja komisch wenn der ADAC nicht ...".

 

Da wir ja zweifelsfrei verwandt sind, zwang mich die ebenfalls genetisch programmierte Höflichkeit zum Ausharren an seiner Seite. A) Mein Bruder, B) Biker in Not, C) man verlässt keinen Tourenpartner vor dem Ziel!

Auch nicht, wenn dieser mehrfach bekräftigt, dass es ihm nichts ausmacht, alleine zu Warten. 

 

Jakob & Anna!

Jetzt schoss es mir wie ein Blitz ins Hirn! Da warten ganz sicher nicht nur Jakob und Anna auf uns!

Wie ich unsere Freunde kenne, haben die - in ihrer Herzlichkeit - ein Feuerwerk der Gastfreundschaft geplant!

Sie selbst, ihre Kinder, ihre Schwiegerkinder und Enkel, scharren sicher seit über drei Stunden mit den Füßen.

Mit knurrenden Mägen. Das war mir mit einem Schlag klar! 

 

Ok Manfred, ich muss jetzt los und du wartest gerne weiter auf deinen ADAC.

Hier die Adresse, wir sehen uns später. 

 

Als ich am Stadtrand von Bielefeld ankam war es bereits dunkel und glücklich sank ich in die Arme einer geduldig wartenden Großfamilie. Neben dem startbereiten Grill, den seit langer Zeit liebevoll vorbereiteten Beilagen und Salaten. Neben fein gebeiztem und gewürtztem Fleisch. "Wo ist Manfred?" "

"Der kommt bald". Glaub ich zumindest. 

 

Schnell war meine Dicke in die Garage und ich unter die Dusche geschoben. Jetzt hielt mich nichts mehr! 

Als ich das Wasser aus meinen Ohren frottierte, hörte ich unter dem Fenster schon das Knistern der Holzkohle und bald saß ich im Reigen meiner Freunde, kaute herrlich gegrilltes Fleisch und schmatzte glücklich vor mich hin. 

 

Nach 5,5 Std. Wartezeit und einer weiteren halben Stunde Fahrt, hörte man auch Manfred am Haus vorbeirollen und in der Dunkelheit verschwinden.

Jakob riss seinen Wagen ums Eck, fing ihn wieder ein und führte ihn wohlbehalten vor den gepflegten, wohl gesättigten Körper seines großen Bruders.

Natürlich hatte der ADAC keinen Unterdruckschlauch und konnte ihm somit ohnehin nicht helfen. 

War auch nicht mehr nötig, die Transe lief wie ein junges Kälblein. 

So, die Kinder die meinen Bruder unbedingt auch noch sehen wollten ins Bett, Manfred's Essen aufgewärmt und ab in die fein vorbereiteten Gästezimmer im Obergeschoß.

 

Ich schlief wie ein Baby und erwachte gestärkt und kräftig. Bald war es Zeit, Anna's reichhaltiges Frühstück zu genießen. Auch Manfred war wohlauf und zufrieden. 

Natürlich hatte sich Jakob in der Zwischenzeit längst um einen passenden Unterdruckschlauch gekümmert. Irgendein Nachbar und Freund ...

 

Bei Tageslicht sahen wir erst wie schön es hier war. Liebevoll gepflegte Familienhäuser und Gärten schmiegen sich aneinander. Kein Zaun trennt die Grundstücke und Herzen der gläubigen Freunde in dieser großflächigen Siedlung. 

Schmale Wege verbinden die Anwesen und luden uns ein, durch die Siedlung zu schlendern. Von jeder Terrasse,  aus jedem Fenster winkte Jemand herzlich und nahm sich gerne Zeit für ein paar freundliche Worte. 

Kommt euch das fremd vor? Wie aus einem alten, romantischen Film?

 

Mir nicht!

Ich kenne diese gläubigen Mennoniten schon lange. Unsere gemeinsame Liebe zum lebendigen Gott verbindet uns schon seit Jahren. Wenngleich ich einer anderen, autonomen Christengemeinschaft angehöre. 

 

Das ist der Unterschied zur Welt die ständig vom Frieden spricht. Hier wird er gelebt! 

Hier ist es egal was du bist, wer du zu sein glaubst und woher du kommst. Meine Freunde hier sind großteils ehemalige Deutsch - Russen, ich bin hier ein Fremder, gebürtig und aufgewachsen im Süden Österreichs und doch sind wir eines friedenschaffenden, liebenden Geistes. 

 

Wir genossen die gemeinsame Zeit mit unseren "Geschwistern" und bald schon bat uns Anna wieder an ihren Tisch. Nach einem großen Abschiedsessen und vielen interessanten Geschichten war es an der Zeit, wieder in unsere Anzüge und auf unsere Moped's zu steigen. Wollten wir doch heute Abend schon in Süd- Dänemark aufschlagen. 

 

Der Abschied war herzlich und wir waren nun gut vorbereitet um die nächste Etappe zu starten. 

Das war ein großes Umarmen, Winken und Verabschieden als wir Richtung Autobahn aufbrachen. 

Unser Ziel, auf der flotten Autobahn nach Fehmarn und rüber nach Dänemark. 

Flotte Autobahn?

Die erfahrenen Leser aus Deutschland erkannten sicher schnell meine Unfähigkeit als Guide. Zumindest was Autobahnfahrten in der BRD angeht. 

 

Wir stauten uns von Einem zum Anderen. Das war doch nicht die Möglichkeit! Sonntag, früher Nachmittag und du stehst im Stau. Nichts ging. 

 

Mir reichte es nun und wir bogen bei nächster Gelegenheit ab, runter auf die Gemeindestrassen und ich lotzte uns quer durch die Lüneburger Heide Richtung Norden. Ich wusste zwar nicht ob das schneller ging, schöner allerdings war es mit Sicherheit! Kurven, Hügel, kleine Orte luden zum Kaffee. Hier - ich weiß nicht mal wie der Ort hieß - hielten wir an um eine Kaffeepause zu machen. 

Es gab Kaffee und Eis, aber keinen Kuchen mehr. 

Am Nebentisch saß eine Gruppe Damen unterschiedlichen Alters die bald erkannte, dass unsere Gelüste nach einer leckeren Mehlspeise nicht gestillt werden konnte. 

Schnell holte eine von ihnen, Kuchen und Kekse aus ihrem eigenen Sortiment und bat es uns freundlich an. 

Das nahmen wir gerne an und tauschten noch viele Geschichten und Grüße bis wir weiterfuhren. 

Das ist Freundlichkeit und Offenheit die ich in Deutschland immer wieder dankbar erlebe.

 

Gut gelaunt starten wir Richtung Meer. Ich hab schon Sehnsucht danach. 

Es war schon dämmrig als wir an der Küste stoppten. Wir wollten uns schon hier ein Zimmer suchen.

Auf die Fähre können wir morgen auch noch früh genug. Ich entschloss mich, nicht den Weg an Kopenhagen vorbei und über die Brücke nach Malmö zu nehmen sondern quer durch Dänemark rauf nach Helsinger und die kurze Fähre nach Helsingborg in Schweden zu nutzen. Ein guter Plan. 

 

Immer wieder bin ich bewegt vom Meer. Der Anblick der Weite und das Rauschen des Wassers zieht mich immer wieder in seinen Bann. Schnell fanden wir ein bequemes Privat-Zimmer und gutes Essen am Strand. 

Noch schnell ein paar Handgriffe und geschickten Werkzeugeinsatz an Manfred's HONDA die sich langsam das Zubehör vom Leib rütteln wollte.

 

Das Kettenöhler System hatte plötzlich keine Lust mehr, an seinem angedachten Platz zu bleiben und vibrierte sich eigensinnig die Befestigungsschrauben ab. Manche Schwachstelle erkennt man eben erst nach langen Etappen.

Das Schraubenlager unseres Gastgebers und mein reichlich mitgeführtes Werkzeug half aber rasch über das Problem hinweg und in das kuschelige Bett. 

Nach ruhiger Nacht und reichlich Frühstück war es ein Leichtes die Fähre zu finden und viele Blicke auf uns zu ziehen. Interessiertes Fragen, Antworten, freundlicher Smaltalk. 

Bald schon saßen wir wieder auf, um vom Schiff zu rollen und wieder überkommt mich das Gefühl welches ich so liebe. In einem mir fremden Land von einer Fähre zu rollen. Das Land aufzusaugen und zu entdecken. Mit meinem Motorrad. 

Was werde ich heute wohl Alles sehen, erleben? 

 

Die Ankunft in Schweden war sehr angenehm denn die Grenzpolizistin hatte Verständnis für das umständliche, behandschuhte Herumhantieren mit dem Pass. Ich war einfach zu faul, die warmen Handschuhe auszuziehen. Hab sie doch erst vor einer Minute vorsorglich unter die GoreTex Jacke geschichtet. 

"Ja, sie weiß wie lästig das sei" sagte sie mir und sie selbst verwahrte, mit einem freundlichen Lächeln, meine Papiere an ihrem sicheren Platz im  Tankrucksack. Sie wünschte uns noch einen schönen Aufenthalt in Schweden und schon rollten wir Richtung Norden, auf den Campingplatz "First Camp" in Torekov Bastad. Auf halber Strecke zwischen Ängelholm und Halmstad. 

Ja, nun bezogen wir das erste mal so ein rotes Schwedenhäuschen wie wir es aus den Prospekten kannten und wir freuten uns über die schöne Fahrt durch Dänemark und unsere erste Etappe in Schweden. Das Haus war geräumig und die Veranda lud zum relaxen und sinnieren über den letzten Abschnitt. "Kurvenreiche Strecke" bedeutet in Dänemark, dass mein verzweifeltes Navi sämtliche Kreisverkehre des Landes anfahren musste um nicht nur geradeaus zu fahren.

Duschen, Umziehen und genüsslich ein PUNTIGAMER aus meinem Reservoir kaltstellen (Wasserleitung). Danach wollen wir Essen und den Strand und die nähere Umgebung erwandern. 

Die knurrenden Mägen zwangen uns letztlich, die Wanderung abzubrechen und schnell fanden wir uns im Restaurang. 

 

Bald geleiteten uns die freundlichen Kellnerinnen an unseren gemütlichen Tisch am Fenster um uns dann weiterhin zu ignorieren. 

 

Hä, wir wollten doch auch was Essen und Trinken. 

Warum fragt uns denn Niemand nach unserem Begehr? 

 

Ja eben. Fremde Länder, fremde Sitten! 

Hier war es üblich, seine Speisekarte (papierene Tischset's) zu studieren und diese dann ausgefüllt an die Kasse zu tragen. Dort bezahlt man nun die erwünschten Speisen und Getränke um sie später serviert zu bekommen. Erstaunlich fremd, funktioniert aber auch gut. 

Das Essen war lecker und das Bier richtig teuer.

Ja, ich war froh um meinen eingeschmuggelten Schatz aus meinem Geburtsort Graz, war aber auch neugierig, was so ein schwedisches Bier um über 10 Euro wohl kann. Na ja ...

So, nach dem gemütlichen Ausschlafen wollen wir rauf in's Hardrock-Cafe Göteborg zum Frühstücken und um meiner Nichte Manjana dort einen Pulli zu besorgen. Danach, rauf nach Oslo. 

 

Bald geht es weiter ...