Der Wunsch, einmal über die Amalfi Küste zu fahren, wuchs seit Jahren und auch ein befreundetes Paar aus dem TDM-Forum zeigte großes Interesse, gemeinsam mit Eva und mir, diesen lang gehegten Traum zu realisieren.

 

Schnell wurden wir uns einig. Zumindest die Route betreffend. Quer durchs italienische Landesinnere, auf die Costa Amalfitana (Tour I, HR). 

 

Über die Rückreise wollten wir uns dann zur gegebenen Zeit unterhalten. Gröbere Probleme erwarteten wir nicht.

Unsere Reisebegleiter waren ja ein eingespieltes, geerdetes Team mit Nordcap - Fernreise Erfahrung. Sie waren sehr unkomplizierte, zuverlässige Freunde.

Wir kannten uns schon von manchen, gemeinsam gefahrenen Kilometern und Treffen. Allerdings, eine Tour über drei Wochen und dreitausend Kilometern durch fremde Lande, kann natürlich eine Herausforderung mit nicht abschätzbaren Situationen und Begegnungen werden. Und, da war ja doch noch ein Kapitel ohne rasche Einigkeit. Das Übernachtungsthema!

 

Eva und ich erleiden ja unseren Lebensmittelpunkt in einschläferndem, dörflichen Umfeld. Daher genießen wir dankbar die Abwechslung urbaner Ziele.

Passende Hotels, eine gute Auswahl feiner Restaurant's vor der Haustüre. Verlockende Boutiquen und Einkaufsstrassen. Nicht so, unsere Freunde! 

 

Sie lebten damals schon seit vielen Jahren in Wien und nichts trieb sie mehr an, als dem Großstadt Mief zu entfliehen und auf Reisen, in ihrem Zelt zu wohnen. Am liebsten in freier Natur. Das eröffnete uns völlig neue, eher befremdliche Perspektiven. Wollen, können wir das? 

 

Jedenfalls konnten wir uns solch einen Urlaub nicht mal vorstellen! Auf ein komfortables, geräumiges Hotelzimmer verzichten?

Andrerseits haben wir diesem Gedanken bisher ja nicht mal eine Chance gegeben. Wir wollten noch überlegen und einen Versuch starten. Ein Wochenende am Caldonazzo See sollte uns helfen, diese Art Urlaub kennen zu lernen. Erfahrung sammeln, Optimierungspotenzial erarbeiten.

Danach erst wollten wir uns verbindlich entscheiden. 

 

Nachdem die erwarteten Umstände behirnt, das kompakte, seit vielen Jahren originalverpackte Iglu-Zelt aus dem Keller geborgen und mit dem Rest des benötigten Reisegepäcks auf der TDM verstaut war, ging es motiviert über den Brennerpass. Am Lago di Caldonazzo im Trentino angekommen, wurde es aber sehr schnell, sehr herausfordernd.

Die tief in meiner Natur festgeschriebene Ordnungsliebe erklärte mir, dass es genau jetzt unumgänglich sei unser Zelt auf zu bauen und wohnlich ein zu richten. Natürlich in meiner Motorradbekleidung. "Nach flott getaner Arbeit" sei es dann früh genug, in den, zwanzig Schritte von unserem Zeltplatz wabernden See zu tauchen und dessen kühlende Wirkung zu genießen.

Eva hielt es durchaus für möglich, dass die mediterrane Sonne bereits sehr erfolgreich ihre zerstörerische Kraft an meinem Gehirn demonstrierte!

Mit den motivierenden Worten "Na dann bau du gerne schon das Zelt auf, ich geh jetzt ins Wasser", stand sie meinem scheinbar unaufschiebbarem Bauvorhaben weder im Wege, noch hilfreich zur Seite. Ein Teufelskreis! 

 

Bald begann ich sehr viel zu lernen! Erstens, glaub nicht, dass Mitreisende aus Höflichkeit deiner Meinung sind. Schon gar nicht deine Frau!

Zweitens, ein Zeltplatz ist nicht automatisch eine weiche, duftende Wiese und drittens, ein Zelt auf zu bauen ist nicht gefährlich genug um einen Leder Schutzanzug zu rechtfertigen. 

Noch war ich ja blutiger Anfänger und hatte die Badehose und die Pantoffeln irgendwo, ganz unten im Gepäck versenkt. So blieb ich in Motorradhose und Stiefeln und begann, den Zeltbau. Ich hatte es schon vor einigen Tagen, am heimatlichen Rasen geprobt und wusste, welcher Handgriff wie gesetzt werden musste. Welches Stangerl wo rein, welches Schnürl wo ran gehörte. Und auch, welcher Hering wo in der Erde verankert werden wollte.

Allein, Wissen ist nicht Alles im Camperleben.

 

Was ich aber noch nicht wusste war, dass gut gebuchte Campingplätze meist nicht mehr mit weichem Rasen bekleidet sind.

So war es mir trotz massivem Kraftaufwand nicht möglich, die originalen Drahtheringe in den festgefahrenen, trockenen Boden zu treten.

Typisch für Campingplätze ist allerdings die empatische Offenheit und Hilfsbereitschaft der dort wohnenden Urlauber.

Schnell bot ein "Nachbar" mit festem, langem Schraubendreher und Hammer seine Hilfe an. Mit diesem Hammer wurden dann die verbogenen Drahtheringe im "Kaltschmiedeverfahren" in Form gebracht und mittels Schraubendreher, Löcher in den harten Boden gerammt, welche dann die Heringe aufnehmen konnten. Bald stand das Zelt stabil und ich in Vollschweiß. 

Kann man vor einem Stoff Haus eigentlich auch von Garagenbier sprechen? Ich behaupte, ja!

Endlich war unser Zelt bereit, das mitgebrachte Gepäck auf zu nehmen. Das ging problemlos. So, endlich umziehen und die verschwitzte Motorradbekleidung zum Trocknen auf dem Moped verteilen. Die Sonne darf nun auch mal was Vernünftiges leisten! Natürlich gelingt das im unkomplizierten, weitläufigen Umfeld eines Camingplatzes recht problemlos. Raus aus dem Motorrad Gewand, rein in leichtes Sommer Outfit. Wenn es jetzt aber Regnen würde?

Das kann auf einer langen Reise natürlich passieren. Ok, ich versuch es mal im Zelt. Das war wirklich nervig! Zu wenig Höhe zum Stehen. Auf Knien das Shirt und wie ein auf den Rücken gekippter Käfer, den Körper aus den Hosen strampeln. Das war mühsam und blöd.

 

Das ganze Gepäck, die komplette Motorrad Schutz Ausrüstung für 2 Personen und dann noch wir selbst! Das wird verdammt eng und drückt auf die Stimmung. 

Gut, dass Eva noch im See ist und meine Bewegungsfreiheit noch ausreicht. Aber bei Regenwetter stehst du nicht bequem vor dem Zelt. Dann muss Alles hier drinnen passieren. Nein, das konnte ich mir in dieser Hütte wirklich nicht vorstellen! 

Was zur Erkenntnis drängt, wenn schon Zelt, dann eines mit der Möglichkeit, drinnen stehen zu können. Zumindest in der Mitte. Eines mit ausreichend Platz für die Schutz Ausrüstung, das Gewand und das Gepäck. Idealerweise eigener Eingang und Vorzelt für beide Mitbewohner. Dann kann jeder seinen persönlichen Krempel nach eigenem Gusto Bunkern und man muss nicht ständig über seinen Zeltnachbarn stolpern. Dazu noch geeignete Beleuchtung und Bluetooth Boxen zur musikalischen Untermalung möglicher Regen- und Lesetage.

 

Ein High Power Akku der Lautsprecher, Handy's und Kamera bei Bedarf wieder laden kann und selbst, während der nächsten Tagestour, vom braven Moped mit ausreichend Strom voll gepumpt wird. Mein Aktueller, musste sogar schon Motorräder mitfahrender Bikefreunde mit verstorbenem Akku starten.

 

Nach dieser Lerneinheit war mir deutlich wohler! Jetzt konnte ich endlich in den See springen. Nach diesem erfrischenden Bad, testeten wir den Sozialbereich des Camping Platzes und waren durchaus zufrieden. Alles war sauber und großzügig.

Große Duschen, reichlich Waschbecken mit brauchbaren Spiegeln. Alles gut, damit können wir leben. Der aufkeimende Hunger treibt uns in die nächste Pizzerei! 

Ein voller Magen und das herrliche Wetter rückte unseren Hausfrieden schnell wieder gerade und so krochen wir in unser luftiges Schlafgemach. Ich schlief wie ein, na ja...

 

Mein Kreuz, meine Schultern. Schmerzen weckten mich und hielten bewegende Erinnerungen lebendig, an glorreiche Siege, welche ich als erfolgreicher Kick Boxer und Karateka, in meiner unbeschwerten Jugend errang. Das war noch Pionierarbeit damals. In den jungen Achzigern des Südburgenlandes, wo man sich Sport ohne Fußballschuhe an den Füßen noch gar nicht vorstellen konnte.

 

Das erklärte auch, warum unser Arzt beim Burgenländischen Landesverband zwar selbst begeisterter Karate Kämpfer war, seine Fachkompetenz als Gynäkologe allerdings, nicht die optimalste Voraussetzung zur Behandlung unserer Sportverletzungen bot. Zumindest nicht nachhaltig.

Mobilat drauf und "bis du verheiratet bist, ist Alles wieder gut", gesprochen. Leider hat er auch als Prophet nachweislich versagt!

 

Aber, ich lernte weiter. Wenn schon im Zelt schlafen, dann keinesfalls diese dünnen Schaumstoff Isomatten, sondern komfortable Luftmatratzen. Diese benötigen, mit raus gesaugter Luft, extrem wenig Stauraum. Dann hat man genügend Platz für einen Akku Kompressor der sie dann wieder aufblasen darf! Somit genießen wir mit vergleichbarem Platzbedarf deutlich mehr Komfort. 

 

Als mich endlich die Sonne aus dem Zelt lockte hatte ich eine wertvolle Nacht hinter mir. Viel Zeit zum Nachdenken und Planen. Mit der richtigen Ausrüstung konnte ich mir nun eine Tour mit Zelt durchaus vorstellen! Gehen wir es an! 

 

Vorbereitet sein, ist Alles! Jawoll und so sah dann mein Gepäck Konzept aus. Ein wasserdichter 150L ORTLIEB Sack mit Tragesystem für den gebeugten Rücken. Dieser beinhaltet Alles was wir zum Campen benötigen. Großes Zelt zum Stehen. Rollbarer Tisch (60c90), klappbare Stühle mit Garagenbierhalterung, Große Komfortmatrazen, Kompressor. Wäscheleine.

Der Rest wird auf die Koffer verteilt. Badesachen, natürlich schnell griffbereit!

 

Ab jetzt kann ich immer und überall "bei mir zu hause, Schlafen".